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Ein kurzes Wochenende am Wangnitzsee – 28. bis 30.7.2017

von Thomas Osteroth

8. September 2017

Freitag, 28.7.

Alle Wege füh­ren zum Wang­nitz­see, wie die bekann­te Rede­wen­dung behaup­tet. Also tref­fen sich acht Rude­rer und Rude­rin­nen (neu­er­dings fälsch­li­cher­wei­se auch als „Rudern­de“ bezeich­net) von Arko­na und zwei von den Frie­sen, um die Was­ser­qua­li­tät im bran­den­bur­gisch-meck­len­burg-vor­pom­mern­schen Grenz­ge­biet im Regen­som­mer 2017 zu tes­ten. Ein Fahr­rad und drei Kraft­fahr­zeu­ge tröp­feln nach und nach ein und dann tröp­felt auch der Regen, bzw. zeigt in einem halb­stün­di­gen Schau­er, dass es ihn noch gibt. Von 18 bis 20 Uhr wird in Karins Gast­stu­be sehr ordent­lich gespeist. Anschlie­ßend wer­den die Boo­te („Wer­der“ von Arko­na und „Ober­bür­ger­meis­ter Kir­sch­ner“ vom Mär­ki­schen Ruder­ver­ein) mit Hil­fe einer gro­ßen Zahl jugend­li­cher Hel­fer vom Klos­ter Leh­ni­ner Ruder­ver­ein aus der Hal­le getra­gen. Erstaun­lich wie vie­le Hän­de Platz an einem Boot haben. Erstaun­lich auch, wie leicht so ein alter Holz­vie­rer sein kann! Nach gründ­li­cher Wäs­se­rung der Wer­der set­zen wir in der Gast­stu­be unse­re inwen­di­ge Wäs­se­rung fort, wobei „Was­ser“ defi­ni­tiv die fal­sche Bezeich­nung ist. Aller­dings ver­su­chen die meis­ten ange­sichts der schwe­ren Ruder­prü­fun­gen der fol­gen­den Tage schon gegen 21 Uhr Schlaf zu fin­den. Ange­sichts von einem Dut­zend Mono­po­ly spie­len­den Cho­ri­ner Ruder­freun­den im offe­nen Auf­ent­halts­raum ist dies gar nicht so ein­fach, aber zwi­schen zwei Uhr und Son­nen­auf­gang gegen fünf kom­men auch die Letz­ten zur Ruhe…

 

Sonnabend, 29.7.

Der Tag beginnt früh, vor sie­ben Uhr, dem eigent­li­chen Auf­steh­ter­min: Eine gewis­se feuch­te Klamm­heit, die unse­re 1‑S­ter­ne-Unter­kunft (war­mes Was­ser) seit jeher aus­zeich­net, treibt uns aus dem Bett. Lei­der sind die Hand­tü­cher und sons­ti­ge Tex­ti­li­en, auch sol­che, die ges­tern Abend noch tro­cken waren, von einer eigen­ar­ti­gen, nicht direkt nas­sen, aber auch kei­nes­wegs tro­cken zu nen­nen­den Aura umge­ben. – Egal. Wir sind zum Rudern und nicht zum Meckern hier. Karins Früh­stück ist reich­hal­tig und der Kaf­fee ist stark und schwarz. Nur die auf dem Buf­fet auf­ge­stell­ten Glä­ser war­ten ver­geb­lich auf den nicht vor­han­de­nen Orangensaft.

Um 9.15 Uhr, als pünkt­lichst die ers­ten Trop­fen fal­len, machen wir uns auf die Rei­se durch die all­seits bekann­te Seen­ket­te: Wang­nitz­see (ja, den Adler­horst gibt es noch, obwohl die Vögel aus der Fer­ne nicht wie Adler aus­se­hen) – Klei­ner und Gro­ßer Prie­pert­see – Ellen­bo­gen­see – Zirn­see und Menow­see bis zur Stein­för­der Schleuse.

 

 

Das Wet­ter sta­bi­li­siert sich, nach dem leich­ten Nie­der­schlag am Anfang kommt nichts nach. Sehr ange­neh­mes Rudern in unse­rem Wer­der, der über­ra­schen­der Wei­se dicht ist und dem groß­ar­ti­gen „Ober­bür­ger­meis­ter Kir­sch­ner“ (von 1993 bis 1899 Bür­ger­meis­ter Ber­lins, danach bis 1912 Ober­bür­ger­meis­ter – wie­der was gelernt), ein altes, äußerst brei­tes, fast schon kirch­boot­ar­ti­ges Holz­boot mit Cha­rak­ter und her­vor­ra­gen­den Fahr­ei­gen­schaf­ten. Die schwe­ren, unge­wohn­ten Holz­skulls ver­gisst man da schnell…

Wen­de an der Schleu­se, kur­zes Ent­wäs­sern der Mann­schaf­ten auf dem nahe gele­ge­nen Was­ser­rast­platz (Mücken!!!) und Rudern zum Cam­ping­platz am Ende des Ellen­bo­gen­sees mit nicht ganz leich­ten Anle­ge­ma­nö­vern. Im Café machen wir beim Ordern von Kaf­fee und Kuchen inter­es­san­te Erfah­run­gen, was es heißt, völ­lig orga­ni­sa­ti­ons­frei eini­ge Bestel­lun­gen auf­zu­neh­men und die­se in lang­wie­ri­ger Hand­ar­beit abzu­ar­bei­ten, wobei sich meh­re­re Beschäf­tig­te stän­dig gegen­sei­tig stö­ren. Nach gerau­mer Zeit und vie­len über­flüs­si­gen Ser­vier­gän­gen sind aber alle ver­sorgt. Jetzt lässt sich sogar die Son­ne am Him­mel sehen. Ers­te Kame­ra­den suchen schon wie­der Schat­ten­plät­ze auf. Man kann es eben nie allen immer recht machen.

 

 

Wir rudern flott nach Hau­se, der vor­über­ge­hen­de Ver­lust eines Pad­del­ha­kens wird bemerkt und er wird von jun­gen, freund­li­chen Kanu­fah­re­rin­nen auf­ge­fischt und an den Absen­der zurück­ge­ge­ben. Nach dem Essen (sehr häu­fig wird Kar­tof­fen­puf­fer, dop­pel­te Por­ti­on, bestellt, sel­ten Schnit­zel) wol­len wir noch Frau­en­fuß­ball-EM sehen. Scha­den­freu­de ent­wi­ckelt sich, als wir sehen, dass nicht nur Rude­rer unter wid­ri­gem Wet­ter zu lei­den haben. Zwei­stün­di­ge Bemü­hun­gen, einen Fuß­ball­platz mit Hil­fe drei­er Dusch­bo­den­ab­zie­her von den Was­ser­mas­sen zu befrei­en, sind zwar lus­tig anzu­se­hen, aber völ­lig nutz­los. Um 22 Uhr erfolgt die Absa­ge des Spiels und es beginnt die Bettruhe.

 

Sonntag, 30.7.

Nach dem Früh­stück ist die schö­ne Fahrt zum Dre­wen­see mit Besuch der Fisch­räu­che­rei an der Holz-/Haus­brü­cke vor­ge­se­hen. Eine durch­zie­hen­de kur­ze Gewit­ter­front mit drei Blit­zen lässt uns nach dem Essen unschlüs­sig wer­den. Da im tota­len wang­nit­zer Inter­net­loch kei­ne Wet­ter­app die Unsi­cher­heit zer­streut oder bekräf­tigt (auf die Idee, zuhau­se anzu­ru­fen und jemand um Aus­kunft zu bit­ten, kommt nie­mand), wol­len vie­le Ruder­freun­de nicht aufs Was­ser. Also kom­men die Boo­te – im Zwei­fel für die Sicher­heit – in die Hal­le. Dass man nach­her immer schlau­er ist, erkennt man, als wäh­rend der bald danach erfol­gen­den Heim­fahrt das Wet­ter immer bes­ser wird. Nächs­tes Mal soll­te man viel­leicht vor einer Absa­ge ein Stünd­chen war­ten, wie sich das Wet­ter ent­wi­ckelt. Ein etwas unbe­frie­di­gen­der Abschluss, aber die Fahrt vom Sonn­abend wird trotz­dem in schö­ner Erin­ne­rung bleiben…

 

Klaus Becker

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