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VON AMSTERDAM NACH BLED: NORA PEUSER RENNT EINFACH WEITER

von Thomas Osteroth | Sep. 24, 2026 | 2026, Leistungssport

Beitrag übernommen von worldrowing.com

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Zwei Wochen, zwei Welten. Nach dem Rennen für Deutschland bei den Ruder-Weltmeisterschaften in Amsterdam ist die 27-jährige Nora Peuser bei der World Rowing Masters Regatta in Bled ungeschlagen, mit vier Goldmedaillen in vier Rennen. Und Nora hat noch fünf weitere Starts zu haben.

Nora reit am Don­ners­tag in Bled um Gold in den Women’s Four (World Rowing / Det­lev Seyb)

Nora Peu­ser hat­te kaum Zeit, Luft zu holen.

Weni­ger als zwei Wochen nach dem Auf­stel­len für Deutsch­land bei den Ruder-Welt­meis­ter­schaf­ten in Ams­ter­dam steht sie in Bled wie­der an der Start­li­nie. Der Unter­schied besteht dar­in, dass es dies­mal kein Natio­nal­mann­schafts­pro­gramm, kei­nen sorg­fäl­tig kon­trol­lier­ten Auf­bau und kei­nen Druck gibt, für die Aus­wahl aufzutreten.

Statt­des­sen gibt es Ver­eins­kol­le­gen, gemisch­te Crews, lan­ge Tage bei der Regat­ta und bis­her eine ziem­lich beein­dru­cken­de Samm­lung von Goldmedaillen.

Peu­ser ist in den ers­ten drei Tagen der World Rowing Mas­ters Regat­ta 2026 vier­mal Ren­nen gefah­ren. Bis­her hat sie vier Gold­me­dail­len gesammelt.

Am Ende der fünf­tä­gi­gen Regat­ta wird sie vor­aus­sicht­lich neun Mal Ren­nen gefah­ren sein, über Ein­zel, Dop­pel, Vie­rer, Ach­ter und gemisch­te Achter.

Für jeman­den, der einen Groß­teil sei­ner Ruder­kar­rie­re damit ver­bracht hat, inter­na­tio­na­le Ergeb­nis­se zu ver­fol­gen, mag es wie eine unge­wöhn­li­che Art erschei­nen, die Wochen nach einer Welt­meis­ter­schaft zu verbringen.

Für Peu­ser macht es abso­lut Sinn. „Ich genie­ße es wirk­lich“, sagt sie.

Von einer Welt zur anderen

Peu­ser kennt den Unter­schied zwi­schen den bei­den Wel­ten bes­ser als die meisten.

Bei den Welt­meis­ter­schaf­ten in Ams­ter­dam hat­te jeder Teil des Tages einen Zweck. Das Auf­wär­men war geplant. Die Renn­stra­te­gie war klar. Der Fokus lag auf der Leistung.

„In der Natio­nal­mann­schaft bin ich sehr kon­zen­triert“, sagt sie. „Es gibt einen kla­ren Plan für alles, vom Auf­wär­men bis zum Ren­nen. Du weißt genau, was du tun sollst.“

Bled ist anders.

„Hier gibt es im Grun­de kein Auf­wär­men!“ sagt sie lachend.

Das soll nicht hei­ßen, dass das Ren­nen auf die leich­te Schul­ter genom­men wird. Peu­ser will immer noch gewin­nen. Ihr Vier-für-Vier-Start macht das sehr deutlich.

Aber die Atmo­sphä­re ist anders. „Bei den Welt­meis­ter­schaf­ten ist alles sehr pro­fes­sio­nell. Jeder hat sei­ne Auf­wärm­rou­ti­ne, jeder ist kon­zen­triert, und es gibt eine rie­si­ge Men­ge, die zuschaut und jubelt.“

In Bled sagt sie: „Steig ein­fach ins Boot und genie­ße es.“

Es gibt mehr Frei­heit. Mehr Spon­ta­nei­tät. Und deut­lich weni­ger Druck.

„Man weiß nicht wirk­lich genau, was pas­sie­ren wird, und es gibt immer klei­ne Überraschungen.“

Das ist Teil des Appells.

Ein vertrautes Boot, ein anderes Gefühl

Nora macht es bis­her zu einem per­fek­ten Vier-für-Vie­rer beim World Mas­ters Rowing Regat­ta-Ren­nen 2026 im Damen­dop­pel (World Rowing / Det­lev Seyb)

Peu­ser ist den Men­schen, mit denen sie zusam­men­fährt, kein Unbekannter.

Sie ist seit rund sie­ben Jah­ren Teil ihrer Ver­eins­grup­pe und ist mit ihnen in der deut­schen Bun­des­li­ga gefah­ren. Mas­ters-Ren­nen sind für die Grup­pe zu einer Mög­lich­keit gewor­den, außer­halb der Haupt­wett­be­werbs­sai­son gemein­sam zu rudern.

Als die Daten nach Ams­ter­dam funk­tio­nier­ten, kam Peu­ser nach Bled.

„Wir haben hier eine wirk­lich gute Grup­pe, und wir rudern gut zusam­men, also macht es Spaß, Teil der Crew zu sein“, sagt sie.

Die­ses Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl ist von zen­tra­ler Bedeu­tung für die Erfahrung.

Bei einer Eli­te-Regat­ta dreht sich der Zeit­plan des Ath­le­ten um das Ren­nen. Hier ist das Ren­nen Teil einer viel grö­ße­ren Erfahrung.

„Du bist hier, weil du hier sein willst“, sagt Peuser.

Die­ser Unter­schied kann schwer zu quan­ti­fi­zie­ren sein, aber leicht zu spüren.

Nora Weiß, Was Als Nächstes Kommt

Weltrudern/Detlev Seyb

Peu­ser ist seit ihrer Jugend auf der inter­na­tio­na­len Büh­ne zu sehen.

2017 gewann sie Sil­ber im Dop­pel-Sculls bei den U19-Welt­meis­ter­schaf­ten und ein wei­te­res Sil­ber im Vier­fach-Sculls bei den U19-Europameisterschaften.

Zwei Jah­re spä­ter beleg­te sie bei den U23-Welt­meis­ter­schaf­ten den vier­ten Platz im Doppelschädel.

Auf Senio­re­ne­be­ne ist sie bei den Euro­pa­meis­ter­schaf­ten und Welt­meis­ter­schafts­re­gat­ta für Deutsch­land gefah­ren, dar­un­ter ein Fünf­ter Platz in den Acht bei den Euro­pa­wah­len 2022 und den sechs­ten Platz im Vier­fach-Schieß bei der Welt­meis­ter­schaft II und III im sel­ben Jahr.

Sie hat bereits die Inten­si­tät einer Eli­te-Ruder­kar­rie­re erlebt.

Und das gibt ihr eine beson­de­re Wert­schät­zung für das, was Meis­ter rudern bietet.

Wenn sie durch den Bled-Boots­park geht, ist sie beein­druckt von der Alters­span­ne der Kon­kur­ren­ten – und noch mehr von ihren Fähigkeiten.

„Ich bin wirk­lich beein­druckt, wie alt eini­ge der Leu­te hier sind – und wie gut sie immer noch kon­kur­rie­ren kön­nen“, sagt sie.

Mit 27 Jah­ren gehört Peu­ser zu den jün­ge­ren Ath­le­ten auf dem Feld. Aber sie kann bereits den Wert sehen, irgend­wo­hin zu gehen, wenn sich die Anfor­de­run­gen des Eli­te­ruderns irgend­wann ändern.

„Sie kön­nen Ihre Natio­nal­mann­schafts­kar­rie­re been­den und haben immer noch etwas zu arbei­ten, auf das Sie mit World Mas­ters und Euro­pean Mas­ters-Wett­be­wer­ben arbei­ten kön­nen“, sagt sie.

„Es gibt dir ein wei­te­res Kapi­tel im Rudern.“

Athleten fürs Leben

Die­se Idee ist viel­leicht das Mäch­tigs­te, was Peu­ser von Bled über­nom­men hat.

Der Spit­zen­sport kann durch sei­ne Fris­ten defi­niert wer­den. Der nächs­te Aus­wahl­ver­such. Die nächs­te Welt­meis­ter­schaft. Die nächs­te Welt­meis­ter­schaft. Der nächs­te olym­pi­sche Zyklus.

Das Meis­ter­ru­dern bie­tet eine ande­re Bezie­hung zur Zeit.

Sie kön­nen sich zurück­ten und zurück­kom­men. Sie kön­nen ernst­haft Ren­nen fah­ren, ohne Ihr gan­zes Leben lang zu rudern. Sie kön­nen sich einer Crew anschlie­ßen, wenn es Ihr Zeit­plan zulässt. Sie kön­nen lan­ge nach dem Ende einer inter­na­tio­na­len Kar­rie­re wei­ter konkurrieren.

Peu­ser stu­diert der­zeit Sozi­al­ar­beit und Sport­wis­sen­schaft. Abseits des Ruderns liebt sie Wan­dern und Radfahren.

Aber das Rudern bleibt der Sport, der sie immer wie­der zurückzieht.

„Ich lie­be den Sport ein­fach wirk­lich“, sagt sie.

Und dann beschreibt sie etwas, das jeder Rude­rer erkennt.

„Was ich lie­be, ist das Gefühl, wenn alle im Boot zusam­men­ar­bei­ten und das Boot wirk­lich gut läuft. Wenn man das Gefühl hat, dass alles zusam­men­kommt, ist es das, was mich dazu bringt, zurückzukommen.“

Es ist eine ein­fa­che Ant­wort, aber viel­leicht die überzeugendste.

Nach all dem Trai­ning, den Rei­sen, den frü­hen Mor­gen­stun­den und den Jah­ren des Eli­te-Wett­be­werbs ist das, was Peu­ser immer noch gut lau­fen lässt, das Boot.

Ein Urlaub mit einer Startlinie

Weltrudern/Detlev Seyb

Es gibt noch einen wei­te­ren Grund, war­um sich Bled anders fühlt. Es fühlt sich tat­säch­lich ein biss­chen wie ein Urlaub an.

Peu­ser und ihre Team­kol­le­gen woh­nen zusam­men in einer Woh­nung. Sie kochen zusam­men. Sie ver­brin­gen Zeit zusam­men am Weg von der Regat­ta. Und wenn sie nicht Ren­nen fah­ren, kön­nen sie eine der spek­ta­ku­lärs­ten Ein­stel­lun­gen im inter­na­tio­na­len Ruder­ka­len­der genießen.

„Der See, natür­lich, und der gesam­te Ort“, sagt Peu­ser. „Bled ist wun­der­schön. Das Schloss und die Ber­ge machen es zu einem so beson­de­ren Ort.“

Nor­ma­ler­wei­se kann ein Urlaub für Peu­ser Wan­dern oder Rad­fah­ren beinhal­ten. Bei die­sem Fall geht es zufäl­lig um neun Ruderrennen.

Bis­her funk­tio­niert das Gleich­ge­wicht. Vier Starts. Vier Siege.

Warum mehr Eliten es versuchen sollten

Für Peu­ser ist die Erfah­rung gut genug, dass sie nicht zögert, sie ande­ren inter­na­tio­na­len Ath­le­ten zu empfehlen.

„Abso­lut“, sagt sie, wenn sie gefragt wird, ob die Rude­rer der Natio­nal­mann­schaft zu einer World Mas­ters Regat­ta kom­men soll­ten. „Ich wür­de es sehr emp­feh­len. Es macht ein­fach eine Men­ge Spaß.“

Die­se Emp­feh­lung kommt von jeman­dem, der bei­de Sei­ten des Sports inner­halb von zwei Wochen gese­hen hat. Ams­ter­dam for­der­te ihre vol­le Kon­zen­tra­ti­on. Bled hat ihr etwas ande­res gege­ben: die Frei­heit, Ren­nen zu fah­ren, weil sie es will, mit Men­schen, mit denen sie ger­ne rudert, an einem Ort, an dem sie sein möchte.

Der Wett­be­werbs­in­stinkt ist nicht ver­schwun­den. Weit davon entfernt.

Aber auch nicht der Spaß.

Und viel­leicht ist das die wah­re Lek­ti­on von Peu­sers bemer­kens­wer­ter zwei­wö­chi­ger Rei­se von den Welt­meis­ter­schaf­ten zu den World Masters.

Das Niveau kann abwei­chen. Die Crew kann sich ändern. Der Druck kann sin­ken. Aber der Grund, immer wie­der zurück­zu­kom­men, kann genau der­sel­be bleiben.

Das Boot läuft gut.

Du bist mit dei­nen Freunden.

Und du willst immer noch Ren­nen fahren.

Mit fünf Starts vor ihr in Bled ist Nora Peu­ser noch nicht ganz fertig.

Bei­trags­bild: meinruderbild.de

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