Arkona Blog

Malz-Umfahrt am 1. Mai 2012

von Thomas Osteroth | Juli 6, 2012 | 2012, Breitensport, Wanderfahrt

Nach­dem wir im April in Vene­dig waren, setz­ten wir unse­re Erkun­dun­gen auf der Ober­ha­vel fort. Peter und ich erhiel­ten von einem befreun­de­ten Rude­rer aus Birken­werder die Ein­la­dung, an der tra­di­tio­nel­len Malz-Umfahrt des RV Bir­ken­wer­der teilzu­nehmen, die immer am 1. Mai stattfindet.

Solch eine Ein­la­dung kommt nicht jeden Tag und des­halb sag­ten wir sofort zu. Denn die Boots­plät­ze sind rar, da nur mit Zwei­ern mit Steu­er­mann geru­dert wird.

Malz ist ein ehe­ma­li­ges Schif­fer­dorf und seit 2003 ein Orts­teil von Ora­ni­en­burg, wo die Havel, die Malz und der Oder-Havel­­Ka­nal zusam­men­flie­ßen. Es gibt die Mal­zer Schleu­se, die heu­te aber kei­ne Schiffs-Be­­deu­tung mehr hat, son­dern nur der Was­serstandsregulierung dient. Von gro­ßer Bedeu­tung für die Schiff­fahrt ist die „gro­ße“ Schleu­se Lehnitz, direkt am Oder-Havel­­Ka­nal. Beim Recher­chie­ren fand ich her­aus, dass Malz vor sei­ner Ein­ge­mein­dung zu Ora­ni­en­burg eine Part­ner­schaft zu Hop­fen am See (in Bay­ern) pfleg­te und die Mal­zer Werh bekannt ist. Soweit ein paar Eck­da­ten zu Malz.

Am 1. Mai 2012 ist tol­les Mai­wet­ter, Son­ne, ein biss­chen Wind und der Wet­ter­be­richt ver­spricht, dass es nicht reg­net. Wir star­ten kurz nach 9 h in Bir­ken­wer­der mit sie­ben (!) Zwei­ern, einer davon als Zwei­e­roh­ne. Nach­dem wir die fast unbe­rühr­te, naturbehafte­te Stre­cke vom Ver­ein zum Oder-Havel-Ka­nal bewäl­tigt haben, rudern wir gemein­sam zur Schleu­se Lehnitz. Ich freue mich, dass ich an Vene­dig vor­bei rudern kann. Eini­ge klei­ne Pau­sen unter­wegs bestä­ti­gen, dass wir auf einer noch gemüt­li­chen Wander­fahrt sind. Vor der Lehnitz-Schleu­se über­queren wir den Lehnitz­see mit der klei­nen Lie­bes­in­sel und legen an der Schleu­se an, denn die Schleu­sung ist 30 Minu­ten spä­ter. Wir freu­en uns, dass wir schleu­sen kön­nen und nicht umtra­gen müs­sen, geht es doch mit sie­ben Boo­ten so wesent­lich schnel­ler. Es geht nun gera­de­aus bis wir back­bord in den Mal­zer Kanal abbie­gen kön­nen. Die Fahr­ten­lei­tung hat bereits zwei AnlegesteI­len aus­ge­sucht, die wir nun der Rei­he nach ansteu­ern, die Boo­te wer­den über Stock und Stein hin­aus­ge­ho­ben und auf einem Weg zwi­schen­ge­la­gert. Als alle sie­ben Boo­te dort lie­gen, erlau­ben wir uns eine etwas län­ge­re Pau­se im Schat­ten der Bäu­me, denn es ist doch schon sehr warm geworden.

Nach der Pau­se gibt es das vol­le Pro­gramm des „Wander“-Ruderns. Wir „wan­dern“ mit den Boo­ten an der Mal­zer Schleu­se vor­bei und set­zen nach ca. SOOm abgrund­tief, stei­nig und san­dig wie­der un­sere Boo­te ein. Ich habe Glück: mein Boot ist das zwei­te, wel­ches nun im wunderschö­nen Mal­zer Kanal schwimmt. Wir rudern nicht, wir las­sen uns von der Strö­mung trei­ben und war­ten auf die ande­ren Boo­te. Der Mal­zer Kanal ist traum­haft, Bäu­me, die uns Schat­ten spen­den, eine für BerlinerVer­hältnisse ganz gute Strö­mung, kei­ne Boo­te, nichts ist los, gar nichts, wir hören die Vö­gel zwit­schern, die Enten sind wahrschein­lich ent­setzt, dass so vie­le Rude­rer ihr Idyll stö­ren. Wir genie­ßen die Ruhe und rudern erst wie­der los, als alle sie­ben Boo­te ruder­fertig sind. Wir rudern durch Fried­richs­thal auf der Havel und erfreu­en uns ein­fach nur der Land­schaft. Ich bin nur 20 km von Ber­lin ent­fernt und es fühlt sich nach Urlaub an.

Unser Idyll hat erst mal ein Ende, denn es naht die Schleu­se Sach­sen hau­sen, die eben­falls für Boo­te nicht zu pas­sie­ren ist. Wir suchen wie­der zwei Aussetzmöglichkei­ten für die Zwei­er, dies­mal ist unse­re Anle­gestelle ganz flach und wir kön­nen bequem aus den Boo­ten aus­stei­gen. Dafür gibt es an Land jede Men­ge Brenn­nes­seln. Doch da müs­sen wir durch. Wir sind ja inzwi­schen „Tra­ge-Pro­fis“ und schnell neh­men wir die sie­ben Boo­te aus dem Was­ser her­aus, die Hand­grif­fe sind inzwi­schen geübt: alle tra­gen alle Boo­te über die Bun­des­stra­ße. Ei­nige Auto­fah­rer haben Erbar­men mit uns und las­sen uns sofort über die Stra­ße lau­fen. Ich habe fast ver­ges­sen zu erwäh­nen, dass wir die Boo­te noch über einen Zaun heben müs­sen, aber wie gesagt, es ist eine „Wander“-fahrt. Nach der Über­que­rung der Stra­ße wird wie­der abgrund­tief und stei­nig ein­ge­setzt. Wir rudern jetzt auf dem Orani­enburger Kanal vor­bei an klei­nen Häu­sern und Wochenendgrundstücken.

Da wir die land­schaft­lich schö­ne Stre­cke rudern wol­len, geht es nicht gera­de­aus zur Schleu­se Pin­now (schleu­sen kann ja jeder!), son­dern am Was­ser­stra­ßen­kreuz back­bord zur nächs­ten Umtra­ge­mög­lich­keit. Die­se ent­puppt sich aller­dings als ein Nadel­öhr. jeweils nur ein Boot kann am vor­han­de­nen Steg anle­gen und muss dann wei­ter in die Böschung zum Raus­zie­hen gezo­gen wer­den. Das dau­ert natür­lich bei sie­ben Boo­ten ziem­lich lan­ge. Wie­der ein­mal heißt es wan­dern und auf der ech­ten Havel set­zen wir dann ein.

Aber die­se Stre­cke ist nun wirk­lich der Knal­ler. Es geht direkt vor­bei am Oranien­burger Schloss mit dem schö­nen Schloss­park. Wir genie­ßen die­se Stre­cke, die immer wie­der schön ist.

Unser Boot ist dies­mal das letz­te Boot und als wir in den Oder-Havel-Kanal einbie­gen, war­ten alle ande­ren Boo­te auf uns und es gibt die letz­te gemein­sa­me Pau­se. Ge­schlossen geht es zurück nach Birkenwer­der. Nach dem Rei­ni­gen der Boo­te war­tet noch eine klei­ne Über­ra­schung auf uns: der Prä­si­dent des Ruder­ver­eins hat eine pri­va­te Fei­er im Boots­haus und wir Ärms­ten müs­sen nun das Büfett auf­es­sen! Auch die­se Hür­de neh­men wir locker.

Eine sehr anstren­gen­de, aber wunderschö­ne Land­schahs­tour geht zu Ende.

CdH

Die Traditions-Langstreckenregatta „Quer durch Berlin“ fand dieses Jahr zum 97. Mal statt – aufgrund von Bauarbeiten am Spreeufer in der Innenstadt verlief die Strecke jedoch nicht von Jungfernheide zum Haus der Kulturen der Welt, sondern vom RC Tegel zum LRV.

Auf dem Sattelplatz vor den Sunset Stufen der Greenwichpromenade herrschte am Regattatag ab 10.00 Uhr das übliche Treiben, die Radfahrer mussten sich an zahlreichen Booten vorbeischlängeln und viele Fußgänger schauten dem Spektakel interessiert zu. Materialablage und Steg waren in meinen Augen wesentlich besser als an der Jungfernheide, das Wetter – viel Wind – jedoch sehr üblich für den Tegeler See.

Gestartet wurde in ca. 30s Abstand zwischen den Crews vor dem RC Tegel: es wurde - etwas windgeschützt - vorbei an den Inseln Scharfenberg und Valentinswerder in den Hohenzollernkanal, bis kurz vor die Mäckeritzbrücke, gerudert. Aufgrund des starken Gegenwinds war für alle Mannschaften die erste Hälfte der Strecke besonders anstrengend. Hatte man es aber in den Hohenzollernkanal geschafft, ruderte es sich mit leichtem Schiebewind wesentlich angenehmer. Auf dem Saatwinkler Steg, auf und unter der Tegeler Brücke standen viele Familienmitglieder, Freunde und Vereinskamerad*innen, die uns lautstark anfeuerten. Manch einer radelte auch an der Strecke entlang. Das Ziel war leider etwas schlecht zu erkennen – irgendwann bimmelte es aus einem Busch am Saatwinkler Damm. Am LRV war deutlich mehr Platz zum Anlegen als in der Innenstadt, so dass es nicht lange dauerte – und auch hier gab es die bewährte Unterstützung durch Arkon*innen für die erschöpften Sportler*innen.

Vielen Dank für einen tollen Regattatag – mein Dank gilt vor allem den vielen Helfer*innen!

Hier die Ergebnisse im Einzelnen:

1. Platz:                       Gwendolin Leishman im JF 4x+A

1. Platz:                      Wiebke Kaufhold im MW8+ E

1. Platz:                      Yehor Zakharov, Ben Luis Häber und Lilly Herbach im JM 8+B

1. Platz:                       Dorothea Schmidt, Katja Czerr, Birte Ganz, Martina Banthau und Sibille Pletsch im MW 4x+ D (Gig)

2. Platz:                       Valentin Schlegel im SM8+ A

2. Platz:                       Stefan Forner, Jörg Irmer und Arnold Hiß im MM 4+ E (Gig)

3. Platz:                       Martina Taschner, Katja Simon, Marina de Groot, Anita Ulrich und Katrin Lohmann im MW4x+ C (Gig)

Herzlichen Glückwunsch!

Sibille Pletsch

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