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Oderfahrt 2013

von Thomas Osteroth

9. September 2013

Vom 23. bis 30. Juni 2013 hat­te Achim Bläck-Neu­mann 15 Ber­li­ner Arko­nen zu einer Ruder­tour auf der Oder ein­ge­la­den. Obwohl ich bereits eini­ge Ruder­jah­re auf dem Buckel habe, soll­te es für mich die ers­te län­ge­re Wan­der­fahrt sein.

Schon für den Start hat­te Achim alles gut geplant: 10 Arko­nen nah­men den Zug, 6 fuh­ren par­al­lel im gemie­te­ten Klein­bus mit den Boo­ten im Hän­ger nach Ratz­dorf. Dort mün­det die Nei­ße in die Oder. Der Ort hat­te im Juli 1997 beim gro­ßen Oder­hoch­was­ser „Berühm­heit“ erlangt. Der maxi­ma­le Pegel­stand lag damals bei 6,91 m und der Ort lag zum großen

Teil unter Was­ser. Dies­mal zeig­te das Pegel­häus­chen 4,73 m. Nach­dem die Boo­te abge­la­den waren, brach­te ein Teil der Crew den Hän­ger nach Schwedt. Das war des­halb so geplant, weil es dann von dort nicht mehr so weit bis nach Stet­tin sein wür­de, dem Ziel der Oderfahrt.

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Pegel­häus­chen Ratz­dorf und Boo­te zu Was­ser lassen

Die „Zurück­ge­blie­be­nen“ mach­ten die Boo­te start­klar und ver­speis­ten die von Gun­di lie­be­voll ein­ge­pack­ten Pick­nick­be­stand­tei­le. Nach einem län­ge­ren Spa­zier­gang nutz­ten wir die Zeit, um Mücken­schutz auf­zu­tra­gen, sowie für die Ein­nah­me von Kaf­fee, Kuchen und spä­ter dann des Abend­essens in der sehr zu emp­feh­len­den „Kajü­te“ in Ratzdorf.

Die (äußerst hei­ße) Nacht ver­brach­ten wir im AWO-Wohn­heim in Eisen­hüt­ten­stadt, da in Ratz­dorf lei­der kein Quar­tier für 16 Rude­rIn­nen vor­han­den war.

Am Mon­tag war der Pegel­stand auf 4,43 m gefal­len und die Was­ser­schu­he kamen zum Ein­satz. Denn die Boo­te muss­ten ohne Steg im schlam­mi­gen Oder-Nei­ße-Gemisch zu Was­ser gelas­sen wer­den. Dann ging es bei gutem Wet­ter gen Frankfurt/Oder. Ein Boot muss­te aller­dings wegen einer defek­ten Dol­le sofort wie­der anle­gen. Fach­män­nisch repa­rier­te es unser Micha Heck­ner. Der Land­dienst (jeweils zwei Teil­neh­me­rIn­nen, die den Pkw fah­ren und ein klei­nes Buf­fet auf­bau­en) emp­fing uns auf hal­ber Stre­cke in Aurith mit über­dach­ten Sitz­bän­ken und Buf­fet und die Etap­pe ende­te ohne wei­te­re beson­de­re Vor­komm­nis­se nach­mit­tags nach 40 km in Frankfurt/Oder. Mit dem dor­ti­gen „Hotel zur Alten Oder“ hat­te Achim eine gute Wahl getrof­fen: Schö­ne Zim­mer und auch das abend­li­che Essen war o.k.

Der am Mon­tag­abend bereits ein­set­zen­de Regen ließ sich auch am Diens­tag nicht ver­trei­ben. Super: Wir konn­ten schon in Regen­klei­dung zu den Boo­ten, die wir im Frank­fur­ter RC unter­ge­bracht hat­ten, lau­fen und die­se mit Schöp­fu­ten­si­li­en etc. so gut es geht vom Regen­was­ser befrei­en. Dann ging es über den Alt­arm gen Haupt­strom. Erst dort merk­ten wir, wie win­dig es tat­säch­lich war. Uns emp­fing das vol­le Pro­gramm: Wind von Nord/Nordwest (also von vorn) gegen die Strö­mung und von daher star­ker Wel­len­gang, Dau­er­re­gen. Alles lief zöger­lich, denn wir muss­ten mehr­fach auf ein bestimm­tes Boot war­ten, das zwi­schen­durch zwei­mal anle­gen muss­te. Komisch, denn die ande­ren Mann­schaf­ten regel­ten das, was „not­dürf­tig“ war, im Boot? Tap­fer kämpf­ten wir gegen alles an. Nach 3 Stun­den waren wir dann doch ziem­lich durch­nässt und durch­ge­fro­ren. Der Land­dienst (Mara und Gise­la) emp­fing uns bei Kuhbrücke/Ort Küs­tri­ner Vor­land mit der guten Nach­richt, dass dort ein net­tes klei­nes Lokal bereits auf uns war­te­te. Die jun­ge Wir­tin der Pen­si­on „Oder­fi­scher“ hat­te den Begriff „Ser­vice-Wüs­te Deutsch­land“ wohl noch nie gehört: Schnell brach­te Sie für uns eine lecke­re Fisch­sup­pe, Fisch­bröt­chen, Kaf­fee und Tee auf dem Tisch ihrer gemüt­li­chen Gast­stu­be. Wir waren schwer begeis­tert. Auch die Vor­zü­ge einer Elek­tro-Hei­zung lern­ten wir schät­zen. Nach­dem sich Achim bei dem Wirt erkun­digt hat­te, was uns Rich­tung Nor­den noch erwar­ten wür­de, ent­schied er, die Tour an die­sem Tag erst ein­mal abzu­bre­chen: An der Wart­he-Mün­dung war mit wei­te­rem Wind und Wel­len zu rech­nen, da das Oder­bett dort noch brei­ter wird und das Was­ser der Wart­he hin­zu­kommt. So muss­te der Land­dienst mehr­fach zwi­schen Kuh­brü­cke und Kie­nitz hin und her­fah­ren, damit wir alle ins Quar­tier gelan­gen konn­ten. Die Boo­te lie­ßen wir dort zurück.

Achim muss­te umpla­nen, denn wir muss­ten nun durch den Fahrt­ab­bruch noch einen Tag län­ger in Kie­nitz bleiben.

Trotz des schlech­ten Wet­ters war aber alles kein Pro­blem: Die Gast­wir­tin des Gast­ho­fes „Zum Hafen“ freu­te sich, dass wir nun zwei Tage dort blei­ben woll­ten. So kam es, dass wir die Gele­gen­heit hat­ten, Kie­nitz bes­ser ken­nen zuler­nen und Schnit­zel in jeg­li­cher Form zu pro­bie­ren. In Kie­nitz über­schritt die Rote Armee am 30. Janu­ar 1945 erst­mals die Oder-Nei­ße-Linie. Abends lie­ßen wir bei Wein, Weib und Gesang den Abend zu den Akkor­den von Achims Gitar­re ausklingen.

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Boo­te­tra­gen in Kienitz

Am Mitt­woch reg­ne­te es vor­mit­tags immer noch, aber Dank der „Wet­ter-App“ von Ger­hard Bel­me­ga konn­ten wir sehen, dass das Wet­ter nach­mit­tags bes­ser wer­den soll­te. So war es auch und wir konn­ten nach dem Mit­tags­res­tees­sen und einem lecke­ren Stück Kuchen die Boo­te in Kuh­brü­cke abho­len und nach Kie­nitz rudern.

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Rus­si­scher Pan­zer in Kienitz

Da das Wet­ter bes­ser wur­de, set­zen wir am Don­ners­tag unse­re Fahrt gen Schwedt fort. Mit ins­ge­samt 68,5 km soll­te es die „Königs­etap­pe“ wer­den. Von der Oder aus muss­ten wir in die Schwed­ter Umfahrt abbie­gen und pas­sier­ten die Schleu­se Schwedt.

In Schwedt konn­ten wir die Boo­te am dor­ti­gen Ruder­Club lie­gen las­sen und Gun­di shut­tel­te uns von dort zum in der Stadt gele­ge­nen CampHotel.

Abends amü­sier­ten wir uns noch über die in der ehe­ma­li­gen DDR wohl ver­brei­te­te „Zigeu­ner­mas­se“ und lie­ßen den Abend mit müden Kno­chen beim Bier ausklingen.

Am Frei­tag setz­ten wir unse­re Fahrt bei schö­nem Wet­ter gen Stet­tin über die Osto­der fort. In der Schleu­se ret­te­te die Mann­schaft in Alberts Boot noch ein Bach­stel­zen­kü­ken, das aus einem sich an der Schleu­sen­wand befind­li­chen Nest ins Boot gefal­len war. Ja, Rude­rIn­nen haben auch ein Herz für Tiere!

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Auch die Boo­te machen mal Pause

Die Mit­tags­rast an der Spund­wand von Gry­fi­no gab uns wie­der neue Kraft für die rest­li­chen Kilo­me­ter zum Ziel Stet­tin. Nach­dem wir nach ca. 48 km dort die Ein­fahrt zum Sport­boot­ha­fen ein wenig gesucht hat­ten, ent­deck­ten wir dann schnell das Mari­na Hote­le. Lei­der ist man dort eher auf Segel- und Motor­boo­te ein­ge­rich­tet. Dank unse­rer erfah­re­nen Seni­or-Obleu­te (Achim, Gun­di, Micha, Albert) gelang es uns, trotz der wid­ri­gen Bedin­gun­gen dort an einem klei­nen Schwimm­steg anzulegen.

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Abschluss­fo­to in Stettin

Das Mari­na Hote­le hat­te (was wir nicht wuss­ten) einen bau­glei­chen Able­ger in der Stadt. Dort waren unse­re Zim­mer gebucht. In dem Hotel gab es zahl­rei­che Gäs­te mit Hun­den. Es erschloss sich nicht, ob es ein exklu­si­ves „Hun­de-Hotel“ war oder zeit­gleich eine Hun­de­mes­se in Stet­tin statt­fand. Egal, so konn­ten wir uns mor­gens den Wecker spa­ren. Das Auf­wa­chen wur­de durch die pos­sier­li­chen Tier­chen erleichtert.

Am Sams­tag ruder­ten wir noch ein wenig durch den weit­läu­fi­gen Stet­ti­ner Hafen und mach­ten sogar Bekannt­schaft mit pol­ni­schen Ruder­ka­me­ra­den, die uns in ihrem wohl zur Zeit behelfs­mä­ßig unter­ge­brach­ten Ver­eins­con­tai­ner die Benut­zung ihrer Toi­let­te anbo­ten. Abends erkun­de­ten wir Stet­tin per Pedes und fan­den ein net­tes Lokal, in dem wir die schö­ne Wan­der­fahrt aus­klin­gen las­sen konnten.

Die Begeis­te­rung über das Ruder­re­vier Stet­tin hielt sich bei dem Groß­teil der Rude­rIn­nen aller­dings in Gren­zen. Schließ­lich waren wir in den vor­he­ri­gen Tagen ein­fach durch die herr­li­che Land­schaft ver­wöhnt und hat­ten auf Stadt und Indus­trie nicht wirk­lich Lust.

Fazit: Eine tol­le Tour. 196 schö­ne Ruder­ki­lo­me­ter. Super Orga­ni­sa­ti­on. Alles klappte!

Die Land­schaft ist ein­ma­lig schön. Wo in Deutsch­land gibt es noch so unver­bau­te Ufer? Wo krei­sen Fisch­ad­ler über einem? Wo schau­en neu­gie­ri­ge Rehe vom Ufer aus auf unbe­kann­te „Ruder­ob­jek­te“? Auch der Schiffs­ver­kehr hält sich im dop­pel­ten Sin­ne des Wor­tes in Gren­zen: Ab und an sieht man Kanu­ten oder einen Schubverband.

Vie­len Dank an Achim und Gun­di für die­se schö­ne har­mo­ni­sche Ruderwoche!

Manue­la Mühlhausen

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