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Vom Spreewald nach Berlin

von Thomas Osteroth

6. August 2011

Lei­pe im Spree­wald – für Auto­fah­rer ist hier die Welt zu Ende, denn wer jetzt noch wei­ter will. muß sich nun entsch­ei- den, ob zu Fuß über Land oder per Boot auf dem Was­ser. Für uns zählt natür­lich nur die zwei­te Mög­lich­keit. denn unse­re Boo­te – vier Dop­pel­zwei­er mit Steu­er­mann­lie­gen Ja bereits am lan­gen Steg des „Spree­wald­hof“ und war­ten auf die neu­en Mann­schaf­ten. Mein Boot heißt „Vik­inq“. Ein schö­nes, altes, geklin­ker­tes Holz­boot. So etwa in den drei­ßi­ger Jah­ren des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts auf Kiel gelegt. Spree­wald­erfah­ren, immer wie­der lie­be­voll geflickt und mit meh­re­ren honig­far­be­nen Lack­schich­ten ver­se­hen. Die unter­schied­li­chen Honig­tö­nun­gen resul­tie­ren sicher aus der Tat­sa­che, daß nicht alle Bie­nen­völ­ker die glei­chen Blü­ten anflie­gen. Kurz gesagt: ein alter Bekann­ter also, mit dem ich bereits kurz nach der Wen­de im Spree­wald geru­dert habe. Über die Sitz­ord­nung im Boot haben wir uns bereits damals in kla­ren und knap­pen Wor­ten wie folgt geei­nigt: am Boot steht bereits mein Obmann Det­lef und ich kom­me mit mei­nem Gepäck dazu. „Wo soll ich denn sit­zen, Det­lef?“ – .Ist mir egal. kannst du dir aus­su­chen.“ – „Gut. dann set­ze ich mich auf eins in die Spit­ze.“ – .Nee – geht nicht. da habe ich mich schon ein­ge­rich- tet.“ – „Na schön, dann sit­ze ich eben auf zwei.“ – „Geht auch nicht. da sitzt bereits Hans.“ – „Na dann bleibt mir Ja nur noch der Steu­er­platz!“ – .Ist mir egal – ich hab‘ dir doch gesagt. du kannst es dir aus­su- chenl‘ “. Es geht eben nichts über eine kla­re Aussage!

Auf der son­ni­gen Ter­ras­se des „Spree­wald­hof“ droht man uns mit min­des­tens einer drei­vier­tel Stun­de War­te­zeit für ein klei­nes Mit­tag­essen, alter­na­tiv bie­tet man uns zur Über­brü­ckung der War­te­zeit und zur Beru­hi­gung des knur­ren­den Magens ein zwar fri­sches aber tro­cke­nes Bröt­chen an.

Wir ent­schei­den uns mehr­heit­lich für die Alter­na­tiv­lö­sung, las­sen das Mit­tag­essen also aus­fal­len und ver­trös­ten den Magen auf das sicher­lich recht rus­ti­ka­le Aben­des- sen in der Jugend­her­ber­ge von Lübben.

Heu­te sit­ze ich also wie­der im glei­chen Boot wie damals. Wir legen zusam­men mit den drei ande­ren Boo­ten nach­ein­an- der vom Steg des „Spree­wald­hof“ ab und sind bereits nach weni­gen Metern auf der Haupt­spree. die sich dann auch sofort rau- schend und gur­gelnd so etwa 30 cm über ein Wehr in die Tie­fe stürzt. Für uns Was- ser­wan­de­rer hat man zur Über­brü­ckung sol­cher Niveau­un­ter­schie­de die Schleu­se erfun­den. Wobei die hie­si­gen Schleu­sen aller­dings alle so klein aus­ge­fal­len sind, daß immer nur zwei unse­rer Boo­te gleich- zei­tig hin­ein pas­sen, und außer­dem ist na- tür­lich Selbst­be­die­nung angesagt.
So zum Ange­wöh­nen trei­ben wir erst ein- mal lang­sam auf der Haupt­spree strom­ab. Die Natur um uns her­um ist schon früh­lings­haft grün, die Son­ne scheint zwar noch nicht so rich­tig warm vom durch­ge­hend blau­en Him­mel, aber sie gibt sich doch red­lich Mühe. Genau wie es die Leu­te, die für das Wet­ter zustän­dig sind, vor­her­ge­sagt haben, und – ganz wich­tig – es soll für die nächs­ten Tage sogar noch bes­ser werden!

Mit ruhi­gen Schlä­gen glei­ten wir nun ohne jede Eile durch einen schat­ti­gen und völ­lig natur­be­las­se­nen Wald. Am Ufer machen sich leuch­tend gel­be Büschel von Sumpf­dot­ter­blu­men breit, zwi­schen den ver­trock­ne­ten alten Hal­men des Vor- jah­res sprie­ßen bereits die ers­ten grü­nen Trie­be des neu­en Schilfs. Frö­sche qua­ken, Spech­te häm­mern, am blau­en Him­mel zie­hen irgend­wel­che Raub­vö­gel auf der Suche nach Beu­te ihre Kreise.

Die nächs­te Schleu­se pas­sie­ren wir dann dicht am Kahn­ha­fen von Lüb­ben­au und noch zwei Schleu­sen sowie etwa 12 km wei­ter haben wir dann auch schon unser ers­tes Tages­ziel. die Jugend­her­ber- ge kurz vor Lüb­ben, erreicht. Zur Freu­de aller ist das Stor­chen­nest auf dem alten Schorn­stein der Her­ber­ge auch wie­der belegt. aber Freund Ade­bar zeigt wenig Inter­es­se an uns. Nur ein kur­zer Blick über den Nest­rand, dann ist von ihm nichts mehr zu sehen.

Ach, übri­gens – das Abend­essen in der Her­ber­ge war dann doch nicht so rus­ti­kal. wie von mir befürch­tet. was aber sicher dar­an lie­gen kann, daß ich schon län­ge- re Zeit nicht mehr in einer deut­schen Ju- gend­her­ber­ge zu Abend geges­sen habe. Zum wirk­lich reich­hal­ti­gen kal­ten Buf­fet gibt es sogar noch eine schmack­haf­te Sup­pe. Auf mei­nen offen­sicht­lich etwas zwei­feln­den Blick hin hat mich dann so ein klei­ner kes­ser Ben­gel ermun­tert: „Die kanns­te wirk­lich essen, die is JUt. Det is schon mein drit­ter Tel­ler!“ – Na wenn det kee­ne Emp­feh­lung ist!

Hin­ter den Wei­den am Spree­ufer steigt lang­sam die Mor­gen­son­ne hoch und wir machen uns in der Mor­gen­küh­le lang­sam zur Abfahrt bereit. Das Was­ser ist spie­gel- glatt, mei­ne bei­den Mädels sind bereits im Boot, mein lin­kes Bein eben­falls. Das rech­te soll natür­lich mit gekonnt jugend­li­chem Schwung fol­gen, bleibt aber aus mir uner­find­li­chen Grün­den am Ufer hän­gen und der Abstand zwi­schen Land und Boot wird erschre­ckend schnell immer grö­ßer und grö­ßer. Obwohl ich noch eine zwei­te tro­cke­ne Ruder­gar­ni­tur im Gepäck habe, ent­schei­de ich mich für einen lau­ten Hil­fe­ruf. Die bei­den Mädels fal­len aus – die sind mit ihren schril­len Schre­ckens­ru­fen voll aus­ge­las­tet. Mei­ne ande­ren Kame­ra­den dis­ku­tie­ren an Land aus­führ­lich die Vor- und Nach­tei­le ver­schie­de­ner Stre­cken­füh­run­gen und haben ver­ständ­li­cher­wei­se dar­um über­haupt kein Ohr für mei­nen Hil­fe­ruf. Erst als ich laut und ein­dring­lich ver­lan­ge, daß ich ihre Hil­fe noch heu­te benö­ti­gen wür­de, springt einer her­bei und ret­tet Mann­schaft und Boot vor dem pein­li­chen Ein­tau­chen ins ins küh­le Wasser.

Bis nach Lüb­ben ist es nur eine kur­ze Stre­cke. Hier neh­men wir dann nicht den direk­ten Weg mit nur einer Schleu­se durch das Städt­chen, son­dern leis­ten uns einen sehr schö­nen Umweg über den Stadt­ka­nal und die Bers­te, einem schma­len Neben­flüss­chen der Spree. der uns nach kur­ven- rei­cher Fahrt sowie zwei klei­ne­ren Schleu­sen unter­halb der Stadt wie­der zurück auf die Haupt­spree bringt. Gegen Mit­tag errei­chen wir dann die Spree­wald­bau­de in Pet­kams­berg zur wohl­ver­dien­ten Pause.

Kurz danach fah­ren wir in den Unter- spree­wald ein und hier muß man sich nun zwi­schen zwei Mög­lich­kei­ten ent­schei­den: Haupt­spree oder Puhl­strom. Wir blei­ben heu­te mal auf der Haupt­spree. die uns mit schö­ner Strö­mung und leich­tem Schie­be- wind zügig bis zur nächs­ten Schleu­se vor- an bringt. Aber die­se Schleu­se ist gar kei­ne Schleu­se – zumin­dest im Moment nicht – denn man hat wegen Bau­ar­bei­ten am Wehr auf bei­den Sei­ten die Tore geöff­net. so daß das Was­ser mit einem mäch­ti­ge Schwall durch die Kam­mer schießt. Kein Schleu­sen, kein Umtra­gen – wir müs­sen also lei­der so etwa 4 km gegen die Strö­mung bis nach Schlep­zig zurück rudern und über die Quaasspree nun doch zum Puhl­strom fahren.

Die­ser sehr kur­ven­rei­che Neben­arm der Spree ist eine der schöns­ten Stre­cken im Unter­spree­wald, aber nicht ganz unge­fähr­lich. Der unbe­rühr­te Urwald ist hier von wil­der Schön­heit. Hohe Erlen und knor­ri­ge Eichen las­sen uns immer im Schat­ten rudern. Der Steu­er­mann hat dabei alle Hän- de voll zu tun, denn das letz­te Hoch­was- ser hat lei­der reich­lich Schwemm­sand in den Bie­gun­gen abge­la­gert und zahl­rei­che Holz­pfäh­le unter Was­ser – Res­te ehe­ma­li­ger Ufer­be­fes­ti­gun­gen – ver­lan­gen zusätz­li­che Auf­merk­sam­keit. Und die Schleu­se am Ober­lauf hat auch ihre Tücken, denn sie liegt direkt neben dem stark strö­men­den Wehr und hat nur Platz für ein Boot. Kurz vor Leibsch ver­ei­nigt sich dann der Puhl­strom wie­der in die Haupt­spree Nach einer wei­te­ren Schleu­sung errei­chen wir jetzt bald den Neu­en­dor­fer See, an des­sen Ost­ufer das Dörf­chen Alt Scha­dow liegt. wo uns wei­che Bet­ten und ein herr­li­cher Zan­der erwarten.

Am nächs­ten Mor­gen erwar­tet uns nicht nur wie­der ein herr­li­cher Son­nen­schein, son­dern sofort nach dem Start auch eine recht eigen­ar­ti­ge, sicher weit über 100 Jah­re alte Schleu­se. Voll­kom­men aus rotem Back­stein gemau­ert ist sie eirund und hat kei­ne senk­rech­ten, son­dern schräg abfal­len­de Wän­de. Und damit man bei ablau­fen­den Was­ser mit dem Boot nicht auf die­sen schrä­gen Mau­ern auf­setzt. hat man drei dicke Pfäh­le in den Schleu­sen­grund geschla­gen und mit einer ros­ti­gen Ket­te ver­bun­den, an der man sich beim Schleu­sen­vor­gang fest­hal­ten muß. Hof­fent­lich wird sie nicht so bald durch eine see­len­lo­se Beton­schleu­se ersetzt.

Jetzt wird die Spree brei­ter und ruhi­ger, wird zum Wie­sen­fluß. Von alten Bäu­men gesäumt win­det sie sich durch eine sanft­hü­ge­lie­ge Ufer­land­schaft. Ver­filz­te Alt- und Neben­ar­me bewäs­sern wei­te Sumpf­wie­sen. Kie­fern­wald zieht sich die fer­nen Hügel hinauf.

Die Schleu­se Kos­sen­blatt ist inzwi­schen moder­ni­siert wor­den, d.h. Jahr­zehn­te­lang war sie ja gar kei­ne Schleu­se, denn die Tore hat­te man ein­fach mit Bret­tern ver­na­gelt und man muß­te hier die Boo­te auf einen Wagen ver­la­den und über Land zie­hen. Aber die­ser, obwohl durch Motor­kraft ange­trie­be­ne Wagen, war so unend­lich lang­sam, daß eine eini­ger­ma­ßen gut trai­nier­te Schne­cke ihn glatt abhän­gen konnte.

Jetzt geht es auf dem ruhi­gen, so gut wie gar nicht befah­re­nen Fluß­lauf wei­ter spree­ab­wärts, wir pas­sie­ren eine höl­zer­ne Klapp­brü­cke nach Hol­län­der Art (ob hier jemals so gro­ße Schif­fe durch­kom­men, daß man sie hoch­klap­pen muß ‘). und bie­gen dann ver­bo­te­ner­wei­se in einen Alt­arm ein, der nach etwa 3 km in den Schwie­low­see mün­det. Den las­sen wir aber gott­sei­dank unbe­fah­ren auf steu­er­bord lie­gen – gewis­se rück­wärts gele­ge­ne Kör­per­tei­le machen eini­gen Rude­rern Schwie­rig­kei­ten – und wen­den unse­ren Bug auf kür­zes­tem Weg in Rich­tung Glower See, der, durch brei­te Schilf­gür­tel immer mehr ein­ge­engt. so ganz all­mäh­lich wie­der zur Spree wird, die wir dann in Bees­kow am Steg des Ruder­ver­eins für heu­te ver­las­sen. Die Boo­te wer­den auf einem Wie­sen­stück abge­legt. uns selbst machen wir nach einer war men Dusche land­fein, dann geht es ab ins Städt­chen zu einem her­vor­ra­gen­den Abendessen.

Am Mon­tag­mor­gen müs­sen wir recht- zei­tig aus den Bet­ten flüch­ten, denn die voll­au­to­ma­ti­sche Schleu­se in Bees­kow arbei­tet nur im Zwei-Stun­den-Rhyth­mus und schließt erbar­mungs­los um 9.00 Uhr ihre Tore für die Tal­fahrt – aber wir sind natür­lich pünkt­lich vor Ort.

Spie­gel­glatt schlän­gelt sich die Spree wie­der durch brei­te Schilf­gür­tel. nur qua­ken­de Frö­sche, sprin­gen­de Fische und sin­gen­de Vögel. Wie­sen, Wald und Sumpf. Rad­in­ken­dorf und Raß­manns­dorf glei­ten vor­bei, an der Selbst­be­die­nungs­schleu­se am Wer­gen­see gön­nen wir uns dann ein Mit­tags­schläf­chen. Unter­halb der Schleu­se sind wir auf der Dra­hen­dor­fer Spree. die sich hier mit vie­len Schlei­fen und Alt- armen wie­der durch eine völ­lig sich selbst über­las­se­ne Land­schaft schlän­gelt und dabei dem Oder-Spree-Kanal manch­mal schon gefähr­lich nahe kommt. Kurz hin­ter Dra­hen­dorf hat sie dann noch eine klei­ne Gemein­heit für uns auf Lager: ein Wehr ohne Schleu­se, dafür aber mit einem sehr schwer­gän­gi­gen, auf unmög­li­chen Schie- nen lau­fen­den Wagen. Das soll­te dann aber auch die letz­te Hür­de für heu­te gewe­sen sein, wenn wir mal – das Tages­ziel bereits vor Augen – von dem abschlie­ßen- den 4 km lan­gen Umweg zum Kers­dor­fer See abse­hen wol­len, des­sen uns ver­spro­che­nen üppi­gen See­ro­sen­fel­der sich noch nicht bis zur Was­ser­ober­flä­che hoch gewagt haben. Also alles wie­der zurück, denn genau gegen­über der Spree­mün dung in den Oder-Spree-Kanal liegt ja das „Forst­haus an der Spree“. wo uns nicht nur ein gutes Abend­essen son­dern auch unse­re Bet­ten für heu­te Nacht erwarten.

Am nächs­ten Mor­gen haben wir wie- der einen durch­ge­hend blau­en Him­mel. spie­gel­glatt liegt das Was­ser vor uns und die Son­ne spen­det ers­te war­me Strah­len. Die Spree muß ab hier auf einer Län­ge von etwa 19 km ihr ange­stamm­tes Bett dem Oder-Spree-Kanal über­las­sen, darf sich dafür aber auf die­sem Teil­stück „Bun­des­was­ser­stra­ße“ nen­nen. Die­sen Titel legt sie aber nach besag­ten 19 km wie­der ab, in dem sie sich vom Kanal abzwei­gend und an der „Gro­ßen Trän­ke“ über ein Wehr stür­zend wie­der selbst­stän­dig macht. Auch wir haben die­se Stre­cke mit einem Abste- cher auf den Dehm­see, vor­bei an Fürs- ten­wal­de und vie­len schö­nen Alt­ar­men hin­ter uns gebracht und müs­sen jetzt unse­re Boo­te auf einen klei­nen Schie­nen­wa­gen ver­la­den und so etwa einen hal­ben Meter tie­fer wie­der zu Was­ser brin­gen, eine Schleu­se gibt es hier nicht.

Ab hier nennt sich der Fluß „Schnel­le“ Spree und trägt die­ses Attri­but – zumin­dest bei die­sem Was­ser­stand – auch völ­lig zu Recht. Die Steu­er­leu­te müs­sen höl­lisch auf­pas­sen, damit wir nicht mit in den Fluß gestürz­ten Bäu­men oder ande­rem knor­ri­gem, totem Geäst kol­li­die­ren. Beson­ders fla­che Stel­len sind weit­flä­chig mit dem fri­schen Grün von lei­der noch nicht blü­hen­den Was­ser­li­li­en bedeckt. Rund­um eine wil­de und üppi­ge Ufer­ve­ge­ta­ti­on. Das alles kann uns aber natür­lich nicht davon abhal­ten, in der schö­nen Strö­mung Päck­chen zu bil­den und Wein und Lecker­bis­sen zwi­schen den Boo­ten auszutauschen.

Irgend­wann am Nach­mit­tag und irgend­wo in der Wild­nis, so etwa auf der Höhe des Ört­chens Spree­au, geht die heu­ti­ge Tour dann zu Ende. Die Boo­te wer­den einen san­di­gen Hang hoch geschleppt und auf einer Wie­se abge­legt. Mann­schaf­ten und Gepäck auf einem Pkw und einem gelän­de­gän­gi­gen Bul­ly zusam­men gepfercht und dann geht es quer durch den Wald nach Spreen­ha­gen zum Gast­haus Paesch, wo sich unse­re stra­pa­zier­ten Hin­ter­tei­le für die mor­gi­ge letz­te Etap­pe in wei­chen Bet­ten rege­ne­rie­ren können.

Am nächs­ten Mor­gen – dem letz­ten, den wir auf die­ser schö­nen Fahrt erle­ben wer­den – geht es dann per eng gepack- tem Bul­ly wie­der zurück ans Spree­ufer, rein in die Boo­te und ab in die Strö­mung. Noch ist der Mor­gen still. Rings um uns her nur die Lau­te der Natur. Eini­ge der vie­len Alt­ar­me, die vor lan­ger Zeit mal einer Fluß­be­gra­di­gung zum Opfer fie­len, sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren rena­tu­ra­li­siert und wie­der zur Haupt­spree umfunk­tio­niert wor­den, was den Lauf des Flus­ses um Eini­ges ver­län­gert hat. Die herr­li­che Ruhe dau­ert an, bis uns ein lang­sam immer lau­ter wer­den­des Zivi­li­sa­ti­ons­ge­räusch dar­an erin­nert, daß es mit Stil­le der Natur nun bald vor­bei sein wird – wir fah­ren unter einer Auto­bahn­brü­cke des Ber­li­ner Rings hin­durch. Neu Zit­tau las­sen wir auf Back­bord lie­gen und nähern uns dem Dä- meritz­see. Hier liegt das Boots­haus der .Was­ser­freun­de Erkner“. bei denen wir eine län­ge­re Mit­tags­pau­se ein­le­gen. Die letz­ten ca. 15 km brin­gen uns dann durch den idyl­li­schen Gose­ner Gra­ben, Seddin­see, Lan­ger See und die Dah­me zur SG Grün­au, wo drei von unse­ren vier Boo­ten behei­ma­tet sind. Auf solch einer lan­gen Wan­der­fahrt sam­melt sich natür­lich viel Sand und Dreck in den Boo­ten, der mit viel Schwamm, Was­ser und Lap­pen raus gespült wer­den muß. Für die­se schließ- lich erfolg­rei­chen Bemü­hun­gen – und die schö­ne Fahrt über­haupt – beloh­nen wir uns dann abschlie­ßend mit einem wirk­lich vor­züg­li­chen Kohlrouladeneintopf.

Horst Störk

Down­load hier: Vom Spree­wald nach Ber­lin (2011)

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