„Kommando achten! Letzter Schlag! Ruder lang! Hinlegen!!!“
Unsere Vereinskameradin Annemarie stammt, wie ihr alle wisst, aus Holland. Also bot sie an, im Juli eine einwöchige Wanderfahrt in Sneek/Friesland zu organisieren. Wir hatten zwei Vierer auf dem Hänger und befuhren so mit täglich zweimal wechselnden Mannschaften jede erdenkliche Strecke um das schöne Städtchen Sneek herum.
Am 1. Tag ruderten wir nach dem Aufriggern los in Richtung Boazum. Schnell war klar: diese Gewässer sind anders als unsere Havel – enge, mit Schilf bewachsene Kanäle, viele Motorboote und furchtbar niedrige Brücken – im Schnitt 80cm hoch. Leider war das Wetter nicht sehr sommerlich – es war kühl, sehr windig & regnete. Daher kam das Café “Boazumer Mjitte” in der Mittagspause sehr gelegen. Bei Kaffee & Kuchen wärmten wir uns erstmal auf, bevor wir bei heftigem Gegenwind an neugierigen Kühen vorbei über Rien zurück nach Sneek ruderten.
Der 2. Tag führte uns westlich von Sneek über IJlst nach Workum. Auch diese Tour hatte es in sich – unsere erfahrenen Steuerleute kamen ganz schön ins Schwitzen. An einer besonders kniffligen Stelle wurde dann der Besatzung eines Vierers eine fiese Böe zum Verhängnis und er kenterte.
Das Rettungsmanöver, das Achim vom Logenplatz des zweiten Boots verfolgte, verlief zu seiner vollsten Zufriedenheit, so dass alle die Fahrt fortsetzen konnten. Bei der kurz darauffolgenden Landpause in Oudega wurde fröhlich Wechselkleidung gehandelt und es ging weiter durch noch engeres Schilf. Immerhin kamen bei dieser Tour die mitgeführten Paddelhaken ausgiebigst zum Einsatz! Angekommen in Workum, lagerten wir die Boote neben einem Spielplatz und fuhren mit den Autos nach Sneek zurück.
Am 3. Tag ging es dann auf einer anderen Route von Workum über Bolsward zurück nach Sneek. Nach den Ereignissen des Vortags waren alle froh, dass diese Tour eher unspektakulär verlief – obwohl, mit 70 cm Höhe ruderten wir in Abbegaesterkedding unter der niedrigsten Brücke der Tour hindurch.
Der 4. Tag führte uns nach Joure, südöstlich von Sneek. Auf der Strecke mussten wir 2x den Prinses-Margriet-Kanaal, der nur für Motorboote zugelassen ist, und auf dem reger Verkehr herrscht, überqueren. Neben den Karten waren wir nun auch froh über die GPS Funktion auf einer Garmin Uhr, mit der man teils winzige, vom Schilf versteckte Einfahrten zu den Kanälen zielsicher über den großen See ansteuern konnte. In Sneek begleitete uns dann im regen Treiben ein Boot der Waterstewards sicher durch die Kanäle bis zum Wassertor – kurz vor Beginn der jährlichen Sneek Week war dort nämlich noch mehr Verkehr als sonst.
Am 5. Tag fuhren wir über Rien wieder nach Boazum, besuchten dort das bereits bekannte Kaffee, aßen Appeltaart und Bitterballen, wechselten die Boote durch und begaben uns auf eine lange Strecke durch enge Kanäle, sehr viel Grün & mehrere 90° Kurven. Und auch wenn die Niederlande sehr flach sind – wir mussten tatsächlich durch 2 Selbstbedienungs-Schleusen. Das mit dem selbst Bedienen ließen geschäftstüchtige Kinder natürlich nicht durchgehen und erledigten das Schleusen gegen ein Entgelt für uns.
Am 6. und letzten Tag der Tour fuhren wir über IJlst in Richtung Joure, bogen aber vorher nach Norden ab, um in den kleinen Kanal, der neben unserem Apartmenthaus lag, rudern zu können. Dort gab es eine Schwenkbrücke – wir haben also wirklich nichts ausgelassen auf dieser Fahrt!
Sibille