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Zur Sommersonnenwende nach Fürstenwalde (2010)

von Thomas Osteroth

6. Oktober 2010

„Für die Jah­res­zeit zu kalt!“ So lau­tet jeden­falls auch heu­te die ein­heit­li­che Aus­sa­ge aller Wet­ter­pro­phe­ten und dem kann man ja nun wirk­lich nur zustim­men, denn so rich­tig schö­ne war­me Tage waren in die­sem nun zu Ende gehen­den Früh­jahr doch wohl ech­te Man­gel­wa­re. Aber jetzt naht ja der Som­mer und wir kön­nen nur hof­fen, dass der die­se lei­di­ge Geschich­te mit dem Wet­ter nun end­lich etwas bes­ser in den Griff bekommt.

Kurz vor der Som­mer­son­nen­wen­de – die hof­fent­lich auch eine Wet­ter­wen­de zum Posi­ti­ven sein wird – hat Gise­la wie­der eine ihrer belieb­ten Tages­fahr­ten in die schö­ne Umge­bung Ber­lins ange­setzt – dies­mal ist es aller­dings eine Zwei­ta­ges­fahrt – und hat dafür beim Was­ser­sport­ver­ein Königs­wus­ter­hau­sen zwei Vie­rer für uns reser­viert. Zusam­men mit wei­te­ren 10 Kame­ra­din­nen und Kame­ra­den die­ses Ver­eins sind wir jetzt mit der klei­nen Arma­da von vier Vie­rern unter­wegs zum Ruder­club Fürs­ten­wal­de, um dort beim Wen­den der Son­ne dabei zu sein.

Vom Boots­haus in Königs­wus­ter­hau­sen ist es nur ein klei­ner Kat­zen­sprung bis zur Schleu­se Neue Müh­le, da bekommt man nicht mal die Mor­gen­küh­le aus den Kno­chen, obwohl eine frü­he Son­ne scheint. Der Legen­de nach soll der Bau die­ser Schleu­se auf einen Jagd­aus­flug des ers­ten der vie­len bran­den­bur­gi­schen Fried­ri­che zurück­ge­hen, der sich beim Abend­mahl mit dem dama­li­gen Mül­ler des­sen lau­te Kla­ge über den sehr unre­gel­mä­ßi­gen Was­ser­stand der Dah­me anhö­ren muss­te. Nur ein Wehr mit einer Schleu­se kön­ne die­sen Zustand ändern. Fried­rich sah das schließ­lich ein und ließ 1696 die ers­te Schleu­se bau­en, die gute 170 Jah­re ihren Dienst tat. 1868 ent­stand dann nur weni­ge Meter neben der alten die neue heu­ti­ge Schleu­se mit einer Klapp­brü­cke über dem Unter­was­ser, die beim Pas­sie­ren grö­ße­rer Schif­fe hoch­ge­zo­gen wer­den kann und so den Stra­ßen­ver­kehr unterbricht.

Wir las­sen uns nun in die­ser alten Schleu­sen­kam­mer um 1,5 Meter absen­ken und fah­ren dann auf die Dah­me hin­aus, vor­bei an Wildau bis nach Zeu­then, wo wir dann nach Steu­er­bord in den Gro­ßen Zug abbie­gen. Schon auf die­sen kaum 5 Kilo­me­tern hat sich bereits so etwas wie eine Rang­fol­ge her­aus­ge­bil­det. Mein Boot hat sich kräf­tig rudernd auf den letz­ten Platz zurück­fal­len las­sen, den wir dann auch wei­ter­hin mit klei­nen Aus­nah­men tap­fer ver­tei­di­gen wer­den. Für kur­ze Zeit kön­nen wir uns näm­lich sehr gut im hin­te­ren Mit­tel­feld behaup­ten, da der Jugend­vie­rer eine klei­ne Hava­rie behe­ben muss. Die­se dau­er­haft rück­wär­ti­ge Plat­zie­rung hat aber über­haupt kei­nen Ein­fluss auf die gute Stim­mung in unse­rem Boot.

Über den Kros­s­in­see gelan­gen wir dann zur Werns­dor­fer Seen­ket­te, einer Rei­he von sehr schö­nen klei­nen Seen und Buch­ten, wah­re Tep­pi­che von wei­ßen See­ro­sen schwim­men hier auf dem Was­ser, an den Ufern hüb­sche Häu­ser und Gär­ten. Vom letz­ten die­ser lieb­li­chen Seen geht es dann fast über­gangs­los hin­aus auf den Oder-Spree-Kanal, kaum 200 Meter vor den hohen schwar­zen Toren der gro­ßen Werns­dor­fer Schleu­se, die sich dann auch nach über­ra­schend kur­zer War­te­zeit für uns öff­net und unse­re vier Boo­te um 4,5 Meter ins Ober­was­ser hebt.

Mit­tags­pau­se! Die Boo­te sind an der Spund­wand fest­ge­macht und wir machen es uns ober­halb die­ser Spund­wand nach Über­win­dung einer stei­len Trep­pe auf der Stein­schüt­tung „bequem“, pro­bi­ern Bou­let­ten, Käse und Wein und schau­en besorgt in den Him­mel, denn die Son­ne hat sich soeben dis­kret hin­ter eine graue Wol­ken­schicht zurück­ge­zo­gen, ist aber bald wie­der da.

Der Oder-Spree-Kanal nimmt uns auf – für 25 Kilo­me­ter bis Fürs­ten­wal­de wer­den wir nun sei­nem Ver­lauf fol­gen. Und wer da behaup­tet, die­ser Kanal wür­de sich schnur­ge­ra­de und lang­wei­lig durch eine immer glei­che Land­schaft zie­hen – dem kann ich nur begrenzt zustim­men. Denn ab und zu ent­schließt er sich doch schon mal für einen ganz leich­ten Bogen zur einen oder ande­ren Sei­te und vor­teil­haft ist hier in jedem Fall das abso­lut glat­te Was­ser und ein erfreu­li­cher Schie­be­wind. Es gibt auch

so gut wie kei­ne Indus­trie auf die­sen 25 Kilo­me­tern, dafür aber tie­fen Nadel- und Misch­wald. Auf den schrä­gen Böschun­gen zu bei­den Sei­ten wächst durch­ge­hend fri­sches Grün, dazwi­schen immer wie­der Büschel von leuch­tend gel­ben Sumpf­dot­ter­blu­men, klei­ne Fel­der mit Mar­ge­ri­ten, schlan­ke Schwert­li­li­en, ver­schie­den­far­bi­ge Lupi­nen und feu­er­ro­te Mohn­blu­men, die sich sanft im Wind wie­gen. Und da gab es noch vie­les mehr, von dem ich nur die Namen nicht kenne.

Kur­ze Pau­se am Steg der Jugend­her­ber­ge in Brauns­dorf, dann geht es bei herr­li­chem Son­nen­schein wie­der wei­ter durch die inzwi­schen völ­lig demon­tier­te Schleu­se „Gro­ße Trän­ke“, die eigent­lich nie eine rich­ti­ge Schleu­se war, da sie nur bei Hoch­was­ser die Fließ­ge­schwin­dig­keit des Kanals für die damals noch übli­che Schlepp­schiff­fahrt begren­zen soll­te. Für die moder­ne Schiff­fahrt hat sie die­se Funk­ti­on aber längst ver­lo­ren und wur­de dar­um – wie man es auf „Bau­deutsch“ aus­drückt – im Jahr 2004 „zurück­ge­baut“.

Etwa ab hier wird dann auch die Spree als „Schnel­le Spree“ wie­der selb­stän­dig, stürzt sich vom Kanal abzwei­gend über ein Wehr je nach Was­ser­stand mehr oder weni­ger in die Tie­fe und ist über eine Umsetz­sta­ti­on als sehr schö­ner Wie­sen­uss für klei­ne Sport­boo­te befahr­bar. Die Erbau­er des Kanals haben jetzt auf vie­le Kilo­me­ter das natür­li­che Bett der Spree weit­ge­hend für ihre Zwe­cke genutzt. Die Ufer wer­den des­halb bis nach Fürs­ten­wal­de auch etwas abwechs­lungs­rei­cher, denn immer wie­der zwei­gen jetzt wild ver­wach­se­ne alte Spree­ar­me vom Kanal ab.

Nach vier­zig geru­der­ten Kilo­me­tern haben wir nun end­lich den Ruder­club Fürs­ten­wal­de erreicht, wer­den wir freund­lich emp­fan­gen und legen unse­re Boo­te am Land ab. 20 Minu­ten zu Fuß brau­chen wir dann bis zu unse­rem Hotel. Nach einer war­men Dusche und einem fri­schem Bier geht es dann wie­der zurück zum Ruder­club, wo unse­re Kame­ra­den aus Königs­wus­ter­hau­sen inzwi­schen ihre Zel­te auf­ge­schla­gen haben und für die Son­nen­wend­fei­er einen Holz­stoß errich­tet und ange­zün­det wor­den ist. Als Brenn­ma­te­ri­al wird hier­für u.a. ein mit zahl­rei­chen Lack­schich­ten ver­se­he­ner Renn­vie­rer benutzt, des­sen dich­ter Qualm vom sanf­ten Wind erschre­ckend oft in unse­re Rich­tung getrie­ben wird. Die Mücken, für die die­ser Qualm eigent­lich gedacht ist, las­sen sich bei die­ser küh­len Wit­te­rung natür­lich gar nicht erst bli­cken. Es wird ein ruhi­ger Grill­abend, in des­sen Ver­lauf allen anwe­sen­den Ver­ei­nen vom Vor­sit­zen­den eine

Erin­ne­rungs­ta­fel in Form eines bemal­ten Ruder­blat­tes über­reicht wird.

Lang­sam ver­sinkt die Son­ne hin­ter gold­ge­rän­der­ten Abend­wölk­chen – bis zur eigent­li­chen Wen­de hat sie ja noch zwei Tage Zeit. Es ist inzwi­schen 22 Uhr gewor­den, uns lockt nach die­sem anstren­gen­de, aber schö­nen Tag nun der Bettzipfel.

Am nächs­ten Mor­gen sind wir wie­der früh auf dem Was­ser und wer­den die glei­che Stre­cke wie­der zurück rudern. Der gut 10 Kilo­me­ter wei­te­re aber dafür auch schö­ne­re Umweg über die „Schnel­le Spree“ wird von allen als zu anstren­gend abgelehnt.

Im Boots­haus in Königs­wus­ter­hau­sen ange­kom­men folgt natür­lich die übli­che Pro­ze­dur: Boo­te säu­bern und in die Hal­le stel­len. Unse­re freund­li­chen Gast­ge­ber spen­die­ren noch eine Tas­se Kaf­fee, dann geht es nach einem ereig­nis­rei­chen Wochen­en­de mit wirk­lich schö­nem Ruder­wet­ter wie­der ab nach Hause.

Horst Störk

Down­load hier: Fürs­ten­berg 2010

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