In den langen Wintermonaten haben wir die Zeit genutzt und überlegt, was man 2026 so alles anstellen kann. Die Idee war schnell da: Die Dove-Elbe-Rallye 2026 sollte es sein – mit einem Gig-Riemenvierer.
Die Mannschaft hat sich nach einem Aufruf im Klubraum recht schnell zusammengefunden: Jörg Irmer auf Schlag, Tobias Delfendahl dahinter, Stefan Forner auf Zwei und Arnold Hiß im Bug. Gesteuert und angetrieben wurden die Männer von unserer Cox Merlind Knaisch.
Motivation und Mannschaft waren da, aber der lange Winter und das Wetter haben unseren Trainingsenthusiasmus etwas ausgebremst. Auch war uns klar, dass wir mit der „Brandenburg“ als Klinkervierer kein konkurrenzfähiges Boot für die Regatta haben. Für die Trainingsfahrten war es jedoch völlig ausreichend und immer verfügbar. Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit haben wir versucht, zweimal in der Woche zu trainieren. Das Training haben wir so gut es ging in Eigenregie gestaltet, mit einem regen Austausch nach den Fahrten.
Nun stand noch die Frage nach einem Boot für die Regatta im Raum. Der erste Gedanke war, uns die Riemen wieder von Collegia mit der „Karl Vogt“ oder die „Spandau“ von Hellas mit den Collegia-Riemen zu leihen – sozusagen ein bewährtes Erfolgsrezept von QdB. Zu diesen Fragen gesellten sich auch noch Überlegungen zu Hänger, Zugmaschine oder einem gemeinschaftlichen Transport mit anderen Vereinen.
Die Rettung kam von Jörg und Arnold, die im letzten Jahr mit dem RC Bergedorf zu einer Wanderfahrt unterwegs waren – organisiert von Bernd Stöckel, dessen Sohn Dirk beim RC Bergedorf rudert. Dieser Kontakt brachte uns schließlich ein konkurrenzfähiges Regattaboot mit Riemen.
An dieser Stelle möchten wir dem RC Bergedorf ganz herzlich danken für das spitzenmäßige Material, das uns zur Verfügung gestellt wurde.
So ging es dann am Freitag, den 24.04.2026, auf nach Bergedorf, um unser Regattaboot, die „Reitbrook“, kennenzulernen. Wir konnten unser Glück kaum fassen, was für ein exzellentes Material wir zur Verfügung gestellt bekommen hatten. Mit freudiger Erwartung ging es dann bei Sonnenschein und starkem Wind aufs Wasser. Zurück am Steg stiegen wir alle mit einem Grinsen aus dem Boot – Mannschaft und Boot haben einfach sehr gut miteinander harmoniert. So ließen wir den Abend in der Hamburger Innenstadt bei guter Laune ausklingen.
Am Samstag trafen wir uns nach dem Frühstück an der Regattastrecke. Es folgte das Briefing für die Steuerleute, und dann begann das endlose Warten, bis wir endlich loslegen konnten. Das Wetter wusste auch nicht so recht, was es im April werden sollte: abwechselnd Sonne und Wolken, gepaart mit starkem Wind und zurückhaltenden norddeutschen Temperaturen.
Bei dem Wind hatten die Steuerleute alle Hände voll zu tun, um die Boote in der Startaufstellung sicher auseinanderzuhalten.
Und schon wurden wir auch zum Start gerufen. 12:26 Uhr Startschuss, auf geht’s – etwa 12,5 km lagen vor uns. Jörg ging gleich zu Anfang in die Vollen, und das Boot lief, wie wir es im Training noch nicht erlebt hatten. Die Mannschaft ging mit – außer Merlind unsere Cox, die gleich am Anfang meinte, wir sollten langsamer machen und irgendetwas von halber Kraft redete. Alle dachten sich: „Kommt nicht in Frage – die spinnt, wir sind noch gar nicht auf Temperatur!“
Außer dem Schlagmann konnte keiner den angespannten Gesichtsausdruck von Merlind sehen, denn für sie war klar, dass wir im engen Fahrwasser, bei Gegenverkehr und starkem Gegenwind das erste Boot „easy“ überholen würden. Doch gezwungen durch die immer näherkommende Brücke mussten wir nach etwa 1200 Metern etwas Fahrt herausnehmen.
Nach der Brücke trieb sie uns dafür umso mehr an, um das erste in Konkurrenz fahrende Riemenboot zu überholen. Die Fahrt verlief kontinuierlich schnell, denn auch ein weiteres Boot lag nun im Überholvisier. Bis zur Wende, bei etwa 6,2 km, hatten wir freie Fahrt. Der starke Westwind drückte uns an die Wendebojen: Steuerbord schob sich das Boot kaum um die Ecke, Backbord musste stoppen. Von hinten drängelten zwei Doppelvierer.
So fuhren wir – getrieben von den beiden Vierern und dem knapp vor uns fahrenden Riemen-Boot, zum Überholangriff bereit, auf eine Brücke zu, wo sich auch noch Gegenverkehr ankündigte, der wie vereinbart Vorrang hatte. Nach 20 „Dicken“ lagen wir vorne. Während das andere Riemenboot bereits durch die Brücke gefahren war, gingen wir – angetrieben durch unsere Steuerfrau (ich bin mir sicher, sie hat Hörner) – als Erste mit kräftigen Schlägen unter der Brücke durch.
Einer der beiden konkurrierenden Doppelvierer nutzte die Gelegenheit, um sich einen Vorteil zu verschaffen und anschließend auch an uns vorbeizuziehen. Der zweite Doppelvierer sah sich dadurch benachteiligt, drängte uns in unsportlicher Weise ab – Skull- und Riemenberührungen inklusive – und bremste uns aus. Hier wurden dann noch einige Höflichkeiten ausgetauscht (Vorteil beim Riemen ist, dass auch Zeichensprache möglich ist), und dann ging es mit Volldampf weiter Richtung Ziel.
Auf den letzten Kilometern schoben wir uns immer weiter an die Konkurrenten heran, die wir dann etwa drei Kilometer vor dem Ziel noch überholten. Respektvoll ist zu erwähnen, dass sie sich davon nicht entmutigen ließen und bis zum Ziel hartnäckig versuchten, dranzubleiben.
Als die Zielglocke läutete, waren wir alle mehr als erleichtert und wie elektrisiert von dem, was wir erlebt hatten.
Der Wind hatte inzwischen zugelegt, und die vielen Boote beim Einsetzen und Anlegen machten es schwierig, an den Steg zu kommen, da man in der Warteposition immer wieder seitlich abgetrieben wurde.
Dennoch stiegen wir wieder mit einem breiten Grinsen aus dem Boot – und mit der Gewissheit, dass wir in unserem Rennen das schnellste Boot waren.
Nach Bier, Bratwurst, Kuchen und Siegerehrung ließen wir den Tag mit anregenden Gesprächen und viel Gelächter in der Unterkunft bei Spaghetti Carbonara gemütlich ausklingen…
