+49 30 361 13 13

office@ru-arkona.de

Altherren-Fahrt 2018 auf dem Main mit der Barke

von Thomas Osteroth

25. Oktober 2018

Der späte Hochsommer und das Mysterium der Schleusen.

1.Tag, So, 16.9.18 – Anreise

„Die Bar­ke ist ein mast­lo­ses Boot, im erwei­ter­ten Sinn wer­den alle klei­ne­ren Was­ser­fahr­zeu­ge so genannt“. Inter­es­san­te Defi­ni­ti­on, die uns wiki­pe­dia da anbie­tet. Dem­nach sind alle Ruder­boo­te auch Bar­ken und wir sind, was wir schon immer ahn­ten, aber nicht wuss­ten, zeit­le­bens gro­ße Bar­ken­fans gewesen.

Erst­mal müs­sen wir zur Bar­ke anrei­sen. Das bedeu­tet pünkt­li­che Abrei­se, um den peni­blen Arbeits­ab­lauf­plan des bewähr­ten Duos Bernd (Zer­ban) und Bernd (Sto­eckel) ein­zu­hal­ten. Lei­der gelingt das nicht, da im Mer­ce­des-Bus eine Rück­bank, die zum Heck zeigt, um 180 Grad gedreht wer­den will. Vie­le Alte Her­ren wol­len ihre hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten unter Beweis stel­len, aber erst mit Sebas­ti­an Mül­lers Hil­fe, der mit gro­bem Werk­zeug anrückt (Ham­mer und Mei­ßel), gelingt die Ope­ra­ti­on „Freie Sicht für freie Bürger“.

Was wirk­lich erstaun­lich ist: Bei­de Fahr­zeu­ge blei­ben trotz teil­wei­se vol­ler und sehr vol­ler Auto­bah­nen bis auf ein kur­zes Stück auf Sicht­wei­te zusam­men. Wie üblich haben zwei Navis aber zwei Mei­nun­gen und so neh­men wir eine Abfahrt spä­ter als viel­leicht nötig und ertra­gen auch den ein­zi­gen Stau des Tages mit gro­ßer Geduld. Trotz­dem errei­chen wir  pünkt­lich gegen 16.50 Uhr das Ziel in Miltenberg.

Kein Ankunfts­bier, der Zeit­plan ist auf Kan­te genäht. Wir bekom­men eine Stadt­füh­rung der ande­ren Art gebo­ten. Zim­mer­manns-Meis­ter Kuhn erklärt uns die Geschich­te des Fach­werks, Stän­der und Rie­gel wer­den genannt, am Bei­spiel gezeigt und wie­der vergessen.

 

Künst­le­ri­sche und kon­struk­ti­ve Fach­wer­ke wer­den vor­ge­stellt und in der Fuß­gän­ger­zo­ne wird der gute, alte Pytha­go­ras mit Hil­fe der 12-Kno­ten-Schnur wie­der auf­ge­frischt. Die erklä­ren­de Zeich­nung erspa­ren wir uns aus Platz­grün­den und außer­dem gehen wir hung­rig zum Abend­essen zum „Rie­sen“, dem ältes­ten Gast­haus Deutsch­lands. Die­sen Titel neh­men zwar auch ein paar Dut­zend ande­re Restau­rants für sich in Anspruch, den Decken­bal­ken nach zu urtei­len könn­te der „Rie­se“ aber durch­aus unter den Top fünf zu fin­den sein. Obwohl wir die Gren­ze von Bier­fran­ken nach Wein­fran­ken schon über­quert haben (die Fra­ge der Grenz­zie­hung zwi­schen Bay­ern, Hes­sen und Baden Würt­tem­berg wird uns noch eini­ge Tage ver­fol­gen), ent­schei­den sich alle für das Braue­r­ei­ge­tränk, das uns zum sehr guten Essen von einem Ober gereicht wird, der eher in eine Schö­ne­ber­ger Sze­ne­knei­pe pas­sen wür­de. Gegen soli­de 21.30 Uhr ist Zap­fen­streich und von län­ge­ren Nacht­schwär­me­rei­en ist zumin­dest nichts an die Öffent­lich­keit gelangt.

2. Tag, Mo, 17.9. 1. Etappe Kreuzwertheim – Miltenberg, 32 km, (2 Schleusen) ca. 27 ° C

Die bewähr­te 7 – 8 – 9 –Regel ist für die­sen Tag mit einer 7.30-er Früh­stücks­zeit (und erst recht mit dem 7.00-Uhr-Apell an den fol­gen­den Tagen) außer Kraft gesetzt. Die Trup­pe folgt die­sem Befehl wider­spruchs­los, viel­leicht steckt ja sogar ein tie­fe­rer Sinn dahin­ter. Mit den schi­cken, neu­en, digi­tal trans­for­mier­ten Autos geht‚s von Mil­ten­berg nach Kreuz­wert­heim, wo wir bald nach unse­rer Ankunft Bekannt­schaft mit der Bar­ke „Chur­fran­ken“ machen können.

Nach­dem sie ruder­fer­tig gemacht und zu Was­ser gelas­sen ist, rudern wir ent­spannt mit unse­ren Rie­men auf dem fast spie­gel­glat­ten Main. Wenig Schiffs­ver­kehr. Noch eine gar nicht mal so unver­nünf­ti­ge Neue­rung: Zwölf Alte Her­ren sto­ßen mit Mine­ral­was­ser auf gutes Gelin­gen an. Dem einen oder ande­ren ist das zwar pein­lich, aber man muss eben mit der Zeit gehen und es erfährt ja auch nie­mand. Vor und nach der Mit­tags­pau­se las­sen wir uns, allein in der meh­re­re hun­dert Meter lan­gen Schleu­sen­kam­mer, ohne jede War­te­zeit berg­ab schleu­sen. Noch den­ken wir uns nichts dabei. Das Buf­fet mit den bekann­ten Zuta­ten Brot, Käse, Schmalz, Wurst, Obst, Wein und Kuchen, also allem, was die deut­sche Brot­zeit aus­macht, weckt die lang­sam ein­ge­schla­fe­nen Lebens­geis­ter. Mit fort­schrei­ten­der Son­nen­schein­dau­er und ste­tig anstei­gen­der Tem­pe­ra­tur (bis auf 27° C, kurz vor Herbst­an­fang!!) ver­schwin­den die Geis­ter geheim­nis­vol­ler Wei­se aber schnel­ler, als sie gekom­men sind. Die Elek­tro­lyt­haus­halts­stö­rung macht sich als all­ge­mei­ne Schlaff­heit bemerk­bar. Trotz­dem errei­chen wir gegen 17 Uhr den Yacht­ha­fen von Mil­ten­berg, wo wir stan­des­ge­mäß von unse­rem Land­dienst emp­fan­gen wer­den. Nach knapp zwei Stun­den im Hotel geht die Rei­se ins weni­ge Kilo­me­ter ent­fern­te Rüdenau in den Gast­hof „Zum Stern“, wo wir wie­der opu­lent spei­sen. Die Qua­li­tät ist über­durch­schnitt­lich, die Quan­ti­tät eben­falls, was man an der äußerst spär­li­chen Nach­ti­sch­or­der erken­nen kann. Ohne Schnaps (bis­her kein ein­zi­ger auf der Rei­se!) geht es gegen 22 Uhr ins Bett, die mor­gi­ge „Königs­etap­pe“ vor den müden Augen.

3. Tag, Di., 18.9.2. Etappe Miltenberg – Aschaffenburg, 37 + 3 km (4 Schleusen) ca. 30°C

Was fällt einem in zehn Jah­ren zu 2018 ein? Wahr­schein­lich der Som­mer, der seit April im Lan­de wütet und der ein­fach nicht enden will! Vier Tage vor Herbst­an­fang brennt die Son­ne mit 30° C im Schat­ten, d.h., 40° C auf dem schat­ten­lo­sen Was­ser auf uns arme Alte Her­ren her­nie­der, wäh­rend wir die längs­te Etap­pe der Tour zu bewäl­ti­gen haben. Beschwer­den bei der Fahr­ten­lei­tung sind lei­der nutz­los. Die bei­den vor­mit­täg­li­chen Schleu­sen wer­den ohne War­te­zeit pas­siert, wir fin­den das mitt­ler­wei­le nor­mal, obwohl sich der eine oder ande­re schon über­legt, ob das „ein­fach so“ pas­siert. Vor der Mit­tags­rast kom­men wir am Indus­trie­cen­ter Obern­burg mit dem gleich­na­mi­gen Kraft­werk, der ehe­ma­li­gen Glanz­stoff­fa­brik, die sogar net­ter­wei­se einen Glanz­stoff­see ange­legt hat (man kann nur ein­mal dar­in baden) und die BKK Akzo Nobel Bay­ern (was sich doch sehr nach Spreng­stoff anhört) vor­bei, das die Land­schaft in einem muf­fi­gen, leicht schwef­li­gen Geruch  baden lässt, sodass man unwill­kür­lich an Kreuz­ber­ger Win­ter­ta­ge der Sieb­zi­ger­jah­re mit ihren hun­dert­tau­send Kachel­öfen denkt. Nach 21 km fin­det der Land­dienst ein schat­ti­ges Plätz­chen, wo wir uns erho­len, wenn man davon über­haupt reden will. Eine gute Idee sind die fünf Steu­er­mann-Wech­sel, die auf der Bar­ke mit ihren brei­ten Mit­tel­steg ja kein Pro­blem sind: Jeder kann es also eini­ge Kilo­me­ter ruhig ange­hen lassen.

Die drit­te Schleu­se kurz nach der Rast, in die wir wie­der ohne jede War­te­zeit ein­fah­ren, tei­len wir uns aus­nahms­wei­se mit zwei ande­ren Schif­fen (auch mast­los, also eigent­lich Bar­ken aber viel­leicht eine Idee zu groß). Das eine heißt „Syn­the­se“, ist unge­fähr 100 m lang, hat 2000 t Ladung und kommt von Nobels Fabrik. Also sind wir froh, dass im Schiff kei­ne Syn­the­se statt­fin­det und es nicht in die Luft fliegt. Auch in die letz­te Schleu­se vor Aschaf­fen­burg wird zügig ein­ge­fah­ren und ungläu­bi­ges Stau­nen wegen des „Glücks“, das wir offen­sicht­lich haben, macht die Run­de. Ist es wirk­lich nur Glück?

Vor Aschaf­fen­burg gabelt sich der Main und wir müss­ten nur in den rech­ten Sei­ten­arm ein­fah­ren um zum Yacht­club zu gelan­gen. Wir aber fah­ren auf dem Haupt­main wei­ter, immer wei­ter, weil der Steu­er­mann „das Schloss noch nicht sieht“. Als er es nach ein bis zwei Kilo­me­tern Zuga­be sieht, fah­ren wir in das ande­re Ende des Neben­arms ein und den Weg wie­der zurück, was den Land­dienst, als er uns wahr­nimmt, zu der kur­zen aber doch erstaun­ten Aus­sa­ge „Wo kommt ihr denn her?“ ver­lei­tet. Sie kön­nen nicht wis­sen, wel­che inne­re Zufrie­den­heit eine Vor­bei­fahrt am Aschaf­fen­bur­ger Schloss nach 37 Ruder­ki­lo­me­tern bei 30 Grad gibt. Ein paar über­flüs­si­ge Zusatz­ki­lo­me­ter, das Ziel vor Augen, sind nun mal das Sah­ne­häub­chen einer jeden Ruder­tour. Umso bes­ser mun­det aber das Bier, das wir am Abend in unse­rem Mil­ten­ber­ger Hotel, dem Gast­haus „Braue­rei Kel­ler“ zu uns neh­men. Eini­ge Ästhe­ten trin­ken den Wein der Gegend, ein kur­zes hoch­geis­ti­ges Getränk wird vom Fahr­ten­lei­ter spen­diert, rich­tet aber kei­nen Scha­den an. Das Essen ist wie­der her­vor­ra­gend, gut bür­ger­lich im bes­ten Sin­ne und lei­tet in den wohl­ver­dien­ten Schlaf über.

4. Tag, Mi. 19.9., 3.Etappe  Aschaffenburg – Hanau  32 km (2 Schleusen)   ca. 29° C

Die Zeit der Wein­ber­ge ist defi­ni­tiv vor­bei. Die land­schaft­li­chen Höhe­punk­te bestehen aus Büschen und Bäu­men auf der einen Fluss­sei­te und lieb­li­chen Indus­trie­ge­bie­ten am gegen­über­lie­gen­den Ufer. Die hohen Schorn­stei­ne, öko­lo­gisch kor­rekt manch­mal grün ange­stri­chen, die die Emis­sio­nen breit­flä­chig streu­en, sieht man über Kilo­me­ter als weg­wei­sen­de Land­mar­ken, viel bes­ser als die ver­gleichs­wei­se unschein­ba­ren Kir­chen und Dome. Für Anhän­ger moder­ner Indus­trie­an­la­gen­ar­chi­tek­tur jagt sozu­sa­gen ein Höhe­punkt den nächs­ten. Wenn die Gegend aus ästhe­ti­schen Gesichts­punk­ten ins­ge­samt aber doch nicht so viel her­gibt, kann man ja mal neben­bei etwas zu unse­ren Rie­men sagen: Kei­ne ollen zent­ner­schwe­ren Holz­knüp­pel, die noch die Zei­ten der Dol­len­schmie­re­rei mit­ge­macht haben, son­dern leich­te Kar­bon­rie­men mit, man höre und stau­ne, maha­go­ni­fur­nier­be­leg­ten Grif­fen. Min­des­tens der Por­sche unter den Rie­men des Landes.

Zur Mit­tags­pau­se tref­fen wir Man­fred, einen Ruder­ka­me­ra­den frü­he­rer Zei­ten, der uns eine gan­ze Wei­le foto­gra­fie­rend und fil­mend auf sei­nem Fahr­rad beglei­tet. Das schafft er locker, obwohl die Bar­ke nicht so lang­sam ist, wie viel­fach behaup­tet. Die Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit (ohne Strö­mung, wie gesagt) liegt immer bei etwas über 8 km/h, im vori­gen Jahr auf den Mirower Gewäs­sern lag sie in nor­ma­len Ruder­boo­ten sogar leicht dar­un­ter. Gegen 15.45 Uhr errei­chen wir Hanau, wo wir an einem Cam­ping­platz anle­gen dür­fen, obwohl man dort mit einer Bar­ke gar nicht anle­gen kann. Beim Ver­such das Boot fest­zu­ma­chen fällt Kame­rad Tho­mas lei­der ins nicht Bade­qua­li­tät auf­wei­sen­de Main­was­ser. Sein Smart­pho­ne ent­puppt sich als Nicht­schwim­mer. Schade.

Die Bar­ke kann nicht im Fluss lie­gen blei­ben und wird nach guter, alter Skla­ven­ma­nier an Land gehievt, unter­ge­leg­te Bret­ter ver­hin­dern all­zu gro­ßen Abrieb. Schon Schil­ler beschrieb die­sen Vor­gang recht tref­fend im „Lied von der Glo­cke“: „Tau­send fleiß´ge Hän­de regen – hel­fen sich in mun­term Bund – und in feu­ri­gem Bewe­gen – wer­den alle Kräf­te kund!“

Apro­pos „feu­rig“:  Die Son­ne brennt wie­der erbar­mungs­los vom end­lo­sen Som­mer­him­mel, so dass der Was­ser­ver­brauch unge­ahn­te Aus­ma­ße annimmt – der Land­dienst hat aber immer aus­rei­chend Vor­rä­te geordert.

Nach kur­zer Auto­fahrt durch Hanau, Offen­bach und Sach­sen­hau­sen errei­chen wir das Frank­fur­ter Quar­tier, der Alt­her­ren­grup­pe, ange­mes­sen im Jugend­gäs­te­haus. Man ist ja schließ­lich so jung, wie man sich fühlt. Zu 19 Uhr bit­tet Fahr­ten­lei­ter Bernd zur Rezep­ti­on, um ein städ­ti­sches Gast­haus auf­zu­su­chen. Nach dem stil­len Bewun­dern der Sky­line des Ban­ken­vier­tels vom Eiser­nen Steg aus und einer kur­zen Ein­füh­rung von Bernd zum The­ma: „Frank­furt – Geschich­te, Gegen­wart und Zukunft“ in 180 Sekun­den, schlen­dern wir im quir­li­gen Leben von Sach­sen­hau­sen zum „Bemal­ten Haus“. Nor­ma­ler­wei­se gibt es in einem Rei­se­füh­rer-Tou­ris­ten „Hot­spot“ schlech­tes, über­teu­er­tes Essen, das von muf­fig bis unver­schäm­ten Kell­nern ser­viert wird. Hier ist es preis­wert, erstaun­lich gut (über die „Grü­ne Soße“ kann man geteil­ter Mei­nung sein) und der Kell­ner zieht eine klei­ne Show ab. Es bleibt natür­lich nicht bei einem 3‑Li­ter-Bem­bel mit Äppelwoi“.

Im Par­ty­schiff am Kai vor dem Gäs­te­haus oder auf der haus­ei­ge­nen Ter­ras­se wird der sau­re Geschmack noch mit einem Bier aus­ge­gli­chen. Was aller­dings der Anruf vom Cam­ping­platz, auf dem unse­re Bar­ke schläft, bedeu­tet, ahnen wir zum Glück noch nicht.

5. Tag, Do.20.9.18 4. Etappe Hanau – Frankfurt/Main ca. 23 km (2 Schleusen)bis 28°C

Die schlimms­ten Befürch­tun­gen, die von der Total­zer­stö­rung unse­rer Bar­ke bis zur Lage­rung in 150 m Ent­fer­nung rei­chen, erfül­len sich nicht. Das Boot liegt, weni­ge Meter neben der Slip­an­la­ge, weil angeb­lich ges­tern noch jemand sein Boot zu Was­ser brin­gen oder es an Land brin­gen muss­te. Hät­ten wir auch gleich so able­gen sol­len. Wir schlep­pen die Bar­ke (400 kg) ins Was­ser und star­ten gegen 9 Uhr. Vor der Schleu­se fast eine Stun­de War­te­zeit. Was soll das denn? Wir dach­ten schon an über­sinn­li­che Kräf­te, die uns jetzt immer die unmit­tel­ba­re Ein­fahrt in die Schleu­sen­kam­mer ermög­li­chen. Oder ist alles arran­giert, damit wir dem Meis­ter nicht auf die Schli­che kommen?

Rudern ohne gro­ße Höhe­punk­te bis an Offen­bach vor­bei, zwei­te Schleu­se, natür­lich ohne War­te­zeit, Mit­tags­pau­se im Bier­gar­ten, eigent­lich geschlos­sen und des­halb ohne Aus­schank. „Ohne Aus­schank“ bedeu­tet in die­sem Fal­le, dass nach drei Minu­ten, kurz nach­dem der nur spie­len wol­len­de Boxer­hund end­lich ange­leint wird, die ers­ten Ruder­ka­me­ra­den mit einem bes­tens gekühl­ten, frisch gezapf­ten Pils zum Res­te­buf­fet strö­men. Da man Kame­ra­den bei der Ver­zehr­ar­beit unter­stüt­zen soll­te, bil­det sich sogleich eine erkleck­li­che Schlan­ge vor dem Zapf­hahn. Wir haben schließ­lich nach der Pau­se nur noch ca. 5 km durch Frank­furts Innen­stadt zurückzulegen.

Die Bewun­de­rung der vie­len Zaun­gäs­te auf Brü­cken, Schif­fen und Ufer­pro­me­na­den ist uns stets sicher. Nur ein­mal wer­den wir gefragt, ob wir Rad­fah­rer seien.

Um 16 Uhr ist Pau­se im Gäs­te­haus. Anschlie­ßen­des Sight­see­ing in Frankfurt/Main. Man neh­me: Dom – neu errich­te­tes Alt­stadt­vier­tel – Römer­platz – Pauls­kir­che – Goe­the­haus. Dann auf der süd­li­chen Main­sei­te am Schau­main­kai zum „Frank­fur­ter Ruder­ver­ein Ger­ma­nia“ neben dem Stä­del-Muse­um. Lei­der müs­sen die Rude­rer ihre Boo­te über die Stra­ße zum meist auf­ge­wühl­ten Main tra­gen. Wir bestau­nen kurz die Räum­lich­kei­ten. Alles sehr exklu­siv. Der Mit­glieds­bei­trag liegt zwar sogar etwas unter unse­rem, die För­der­mit­glie­der zah­len aber 800 €. Im Monat, wohl­ge­merkt. Dafür dür­fen sie auch in der Gas­tro­no­mie spei­sen. Auf der Ter­ras­se genie­ßen wir recht ordent­li­ches und preis­wer­tes Essen. Vom Anspruch (Leis­tungs­spit­zen­sport) und den finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten (Com­merz­bank)

ist der Ver­ein nicht mit Arko­na zu ver­glei­chen. Aber ist der Blick von unse­rer Ter­ras­se über die Schar­fe Lan­ke eigent­lich mit Geld zu bezahlen?

Trotz der Order, mor­gen um sie­ben aus­ge­schla­fen im Früh­stücks­raum zu erschei­nen, kön­nen es sich eini­ge Kame­ra­den nicht ver­knei­fen, sich unter die Jugend des Par­ty­schiffs zu mischen und einen mil­den Abend bei Kalt­ge­trän­ken enden zu lassen.

6. Tag, Fr. 21.9., 5 EtappeFrankfurt/Main – Hochheim 29 km (2 Schleusen) ca. 21°C, Sturm/Regen

Ein ambi­tio­nier­ter Zeit­plan: Um 15 Uhr soll die Bar­ke über­ge­ben wer­den. Bis­her ruder­ten wir mit ca. 8 km/h, d.h. ca. 4 Stun­den rudern, 1 Std. Pau­se, 1 Std. Schleu­sen. Da wir pünkt­lich um 9 Uhr los­ru­dern, kön­nen wir es bis 15 Uhr schaf­fen, wenn sich der vor­her­ge­sag­te Wind (4–5, Böen bis 8) und der Regen etwas zurück­hal­ten. Schwach­punkt der Rech­nung sind aber die Schleu­sen, für die eigent­lich kei­ne War­te­zeit ein­kal­ku­liert ist. Und tat­säch­lich, nie­mand ver­steht es, wie Bernd Zer­ban an die­ser Schrau­be dreht, pas­sie­ren wir auch die 10. und 11. von zwölf Schleu­sen ohne läs­ti­ges War­ten. Ob „Schleu­sen­gu­ru“, „Schleu­sen­he­xer“ oder „Schleu­sen­zau­be­rer“, jeder Ehren­ti­tel erscheint tief­ge­sta­pelt. Wahr­schein­lich sind es ein­fach Bernds freund­li­che aber doch ver­bind­li­che Anmel­de­te­le­fo­na­te, die die Schleu­sen­meis­ter auf Trab brin­gen. Schau­en wir mal, ob Bernd sei­ne Leis­tung bei der nächs­ten Fahrt bestä­tigt, oder ob es sich ein­fach um ordi­nä­res Anfän­ger­glück gehan­delt hat. Nach­dem wir Frank­furt ver­las­sen und kilo­me­ter­weit an teil­wei­se leer­ste­hen­den Indus­trie­an­la­gen ent­lang rudern, frischt der Wind gegen Mit­tag doch auf und die Wel­len schla­gen rhyth­misch gegen den Bug des Boo­tes. Die Bar­ke wird aber nicht unwe­sent­lich lang­sa­mer und es gelangt auch kein Was­ser ins Boot, wo nor­ma­le Vie­rer längst hät­ten anle­gen müs­sen.  Gegen 13 Uhr machen wir in Flörs­heim Pau­se und essen mit Blick auf den Main preis­wert und fast zu üppig. Letz­te Stri­che auf dem Kap­pen­kas­sen­straf­zet­tel. Vor der Wei­ter­fahrt wer­den die Regen­ja­cken her­aus­ge­holt, weil es jetzt doch in Sturm­stär­ke weht und auch leicht zu reg­nen beginnt. Wir stamp­fen und rol­len lang­sam, aber sicher auf Hoch­heim zu, weni­ge Kilo­me­ter von der Mün­dung des Mains in den Rhein ent­fernt, wo wir die Bar­ke an Land brin­gen wol­len. Auf die Minu­te wie geplant um 15 Uhr lan­den wir, an Land ist es jetzt aber genau­so nass wie auf dem Was­ser, weil ein herr­li­cher Regen­guss Pflan­zen- und Tier­welt jubeln lässt, wäh­rend wir inwen­dig flu­chen und beim Boot­säu­bern zu frie­ren begin­nen. Wem zwei Fen­der gehö­ren, kann nicht geklärt wer­den, also gibt der Klü­ge­re (im Zwei­fel immer Harald) nach und über­lässt sie unse­rem Bar­ken­ver­mie­ter. Um 16.30 Uhr fah­ren wir zum Hotel nach Mainz.

Klaus Becker

Hier in Mainz ver­lässt uns der Autor der bis­he­ri­gen Zei­len, er wird aber umge­hend durch Nor­bert – einem Main­zer Jugend­freund unse­res Fahr­ten­lei­ters – ersetzt, der uns ein wenig durch die Main­zer Alt­stadt füh­ren wird. Zuerst aber lässt er es sich nicht neh­men, uns das gro­ße Gelän­de und Haus des Main­zer Ruder­ver­eins wenigs­tens von außen zu zei­gen. Es hat wirk­lich beein­dru­cken­de Maße.

Dann führt er uns durch einen Teil Main­zer Alt­stadt bis zum Wein­haus „Hof Ehren­fels“, wo wir zum Ein­stand sogleich mit einem Feder­wei­ßen begrüßt wer­den. Den muss man hier ein­fach pro­biert haben, doch Ach­tung: es besteht Sucht­ge­fahr! Ansons­ten ste­hen natür­lich sämt­li­che Main­zer Spe­zia­li­tä­ten auf der Spei­se­kar­te. Der all­ge­mei­ne Geräusch­pe­gel in die­sem ehren­wer­ten alten Wein­haus ist aller­dings recht hoch. Unser Tho­mas nutzt dar­um geschickt eine der sel­ten ein­tre­ten­den Absen­kun­gen des Geräusch­pe­gels, um unse­ren Fahr­ten­lei­ter Bernd in net­ten und humor­vol­len Wor­ten den Dank der rudern­den Trup­pe für Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung die­ser lei­der nun zu Ende gehen­den AH-Fahrt auszusprechen.

7. Tag, So, 16.9.18 – Abreise

Am nächs­ten Mor­gen wird die doch so gelieb­te Kap­pen­ord­nung bereits vor dem Früh­stück außer Kraft gesetzt. Im End­ergeb­nis ver­an­las­sen dann die immer­hin 89 Zuwi­der­hand­lun­gen Kap­pi zu der Aus­sa­ge, dann müs­se auf unse­rer Fahrt ja auch wenigs­tens 89 Mal gelacht wor­den sein.

Frei und locker, da jetzt ohne jeden Kap­pen­stress, bestei­gen wir dann nach dem Früh­stück unse­re bei­den Bus­se und rol­len stau­frei zurück ins hei­mat­li­che Berlin.

Horst Störk

error: Content is protected !!