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Altherrenfahrt 2017 zwischen Wangnitzsee und Müritz

von Thomas Osteroth

9. November 2017

1.Tag, Mo, 11. September (31 km)

Wie üblich: 17 alte Her­ren wol­len mit drei Vie­rern und den mit­ge­nom­me­nen Kap­pen ihren jähr­li­chen Spaß haben. Die Kap­pen­ord­nung trägt eini­ges zum Gelin­gen der Fahrt bei, beson­ders, wenn sich seit Jahr­zehn­ten Mit­fah­ren­de sel­ber eine Gru­be schau­feln. Aber eigent­lich geht es ja ums Rudern:

Zwei Neun­sit­zer die­seln zum Wang­nitz­see, unse­rer Pool­po­si­ti­on. Ein Stau auf der Gegen­fahr­bahn wird an die­sem Mon­tag­vor­mit­tag mit Scha­den­freu­de zur Kennt­nis genom­men. Betrifft einen ja nicht…Pünktliches Erschei­nen am Wang­nitz­see, zwei­tes Früh­stück mit Kaf­fee von Karin und los geht‚s um 11.30 Uhr, denn der Schleu­sen­meis­ter in Stra­sen ist berüch­tigt für das genau­es­te Ein­hal­ten sei­ner um 13 Uhr begin­nen­den Mit­tags­pau­se. Nach zehn Fahr­se­kun­den gerät der Zeit­plan ins Wan­ken, weil ein beschä­dig­ter Skull aus­ge­tauscht wer­den muss (Ersatz­skulls in einem Boot in wei­ser Vor­aus­sicht mit an Bord). Dann doch Fahrt über den Wang­nitz­see, Kleinen/Großen Prie­pert­see (ganz schön win­dig), Ell­bo­gen­see zur Schleu­se Stra­sen. Die letz­te Schleu­sung ist unse­re! Durch den Klei­nen Pälitz­see zur Schleu­se Canow. Kei­ne War­te­zeit. Wer sagt‚s denn! Wol­ken und Wind stö­ren kaum. Über den Labus­see zur Schleu­se Diemitz. Wie­der sofort rein. Im Som­mer sind bis zu sechs Stun­den War­te­zeit kei­ne Sel­ten­heit. Am Vilz­see macht bei unse­rer Pau­se in der Flee­ther Müh­le der Wirt das bes­te Geschäft des begin­nen­den Herbs­tes. 12 Sol­jan­ka wol­len erst­mal ver­kauft sein. Der Sol­jan­ka­tes­ter ver­gibt eine 1-. Letz­te Etap­pe über Mös­sen­see und Zot­zen­see durch eine lan­ge, für die ermü­de­ten Rude­rer sehr lan­ge Kanal­stre­cke, aber land­schaft­lich sehr schön, zum Mirower See. Ankunft 18.10 Uhr, d.h., zehn Minu­ten nach der von Bernd & Bernd vor­her­be­rech­ne­ten Ankunfts­zeit. Sau­be­re Pla­nungs­ar­beit! Abend­essen gibt es um 19.15 Uhr im Hotel. Weni­ge Kap­pen­ord­nungs­straf­stri­che, selbst zum Feh­ler­ma­chen sind die meis­ten zu müde. Ab 21 Uhr brö­ckelt die Alt­her­ren­run­de aus­ein­an­der. Um 22 Uhr gehen die Letz­ten. Kein Schnaps. Um das mal klarzustellen.

2. Tag, Di, 12. September (32 km)

Nach dem Früh­stück wird die der Wet­ter­vor­her­sa­ge geschul­de­te Umstel­lung des Tages­plans ver­kün­det: Wegen des für Mitt­woch ange­kün­dig­ten Sturm­tiefs ver­zich­ten wir auf die Rätz-Umfahrt, son­dern bewe­gen uns schon heu­te in Rich­tung Müritz, ohne die­se bei wie­der ordent­li­chem Wind beru­dern zu wol­len. An der Schleu­se Mirow war­ten wir erst­mal 45 Minu­ten, bis der Herr Schleu­sen­meis­ter sich zu einer Schleu­sung her­ab­lässt. Deut­li­che Ansa­ge durch Laut­spre­cher mit einem Ton der Mar­ke „Will-man-nicht-in-sei­nem-Zwei­er-ohne-haben“. Dann lan­ges, ent­spann­tes Rudern im Kanal. Steu­er­mann­wech­sel mit Umklet­tern im Sumpf­see. In der Klei­nen Müritz bie­gen wir gleich nach Süden ab und fah­ren in wind­ge­schütz­ter Lage bei ruhi­gem Was­ser, an ande­ren Stel­len bei Wel­len­gang, in den sog. Müritz­arm und wei­ter in den Müritz­see (nicht zu ver­wech­seln mit „der“ Müritz) bis zu einem schö­nen Rast­platz kurz vor Buch­holz. Nett, dass ein freund­li­cher Ruder­ka­me­rad sei­nen Kel­ler aus­ge­mis­tet hat, um uns nun sechs Fla­schen lan­ge ver­ges­se­nen, 18 bis 34 Jah­re alten Weiß- und Rot­wein zur Ver­kos­tung anzu­bie­ten. Auch wenn der eine oder ande­re gut­wil­li­ge Freund nach einem win­zi­gen Pro­be­schlöck­chen sagt „der geht noch“, um den edlen Spen­der mora­lisch auf­zu­rich­ten, wird das einst­mals edle Nass still­schwei­gend mit dem See­was­ser ver­mischt, wo es stark ver­dünnt nur gerin­gen Scha­den anrichtet.

Rück­rei­se nüch­tern auf dem glei­chen Weg. Da an der Schleu­se Mirow 19 Boo­te auf Schleu­sung war­ten, glei­ten wir ele­gant mit hal­ber Kraft unter den ungläu­bi­gen Bli­cken so man­chen Frei­zeit­ka­pi­täns bis zur Schur­re vor und zie­hen die Boo­te nach­ein­an­der an der Schleu­se vor­bei. Hät­ten wir am Mor­gen auch machen kön­nen, dann wären die Schu­he aber den gan­zen Tag lang vom Schlamm auf dem Schur­ren­weg ein­ge­saut gewesen.

 

 

Abends fah­ren wir im Auto­kon­voi in die sicher 850 m ent­fern­te Schloss­braue­rei Mirow, in der zwar kein Bier gebraut wird, sich aber ein Restau­rant befin­det, in dem Steck­rü­ben­sup­pe die Sup­pe des Tages ist (eine Bestel­lung). Es gibt glück­li­cher­wei­se noch ande­re Gerich­te, so dass alle gesät­tigt den Heim­weg antre­ten kön­nen. Vor­her haben wir noch das außer­or­dent­li­che Ver­gnü­gen, dem Kell­ner bei sei­ner ver­nied­li­chen­den Sprech­wei­se zuzu­hö­ren: Es gibt Süpp­chen, auch Schnit­zel­chen, getrun­ken wird ein Bier­chen und der opti­sche Ein­druck von über der Stuhl­leh­ne hän­gen­den Jacken ist ihm so uner­träg­lich, dass wir die Klei­dung auf ein Stän­der­chen hän­gen müs­sen. Abends im Hotel­chen gibt es noch zwei Bier­chen in klei­ner Runde.

3. Tag, Mi, 13. September

Da der Ruder­tag wegen der Regen­schau­er in Ver­bin­dung mit stür­mi­schem Wind abge­sagt ist, müs­sen wir natür­lich frü­her auf­ste­hen, denn es gibt ein straf­fes Ver­gnü­gungs­pro­gramm. Um 7.15 Uhr sit­zen wir beim Früh­stück. Die Über­ra­schungs­fahrt führt uns in die hüb­sche meck­len­bur­gi­sche Klein­stadt Lübz und dort in die Braue­rei, in der das gleich­na­mi­ge Bier gebraut wird. Nach dem Anse­hen eines kur­zen Wer­be­films, der Füh­rung durch eini­ge Braue­rei­ge­bäu­de und Erklä­run­gen zum Brau­vor­gang (natür­lich naschen eini­ge von der Gers­te mit Kap­pe und müs­sen Stra­fe zah­len!) kom­men wir in die Dosen­ab­füll­an­la­ge, in der eini­ge Mecha­ni­ker ver­su­chen, die still­ste­hen­de Anla­ge wie­der in Gang zu brin­gen. Vor­führ­ef­fekt! Die Fla­schen­ab­füll­an­la­ge funk­tio­niert, auch wenn die tat­säch­li­che Leis­tung (28.000 Fla­schen pro Stun­de) von der im Fünf­jahr­plan ange­streb­ten (34.000 Fl./h) noch weit ent­fernt ist.

 

 

Kei­ne Braue­rei­füh­rung ohne anschlie­ßen­de Ver­kos­tung. Dem Mot­to „Kein Bier vor Vier“ wird inso­fern Rech­nung getra­gen, als es ja schon nach 10 Uhr am Vor­mit­tag ist, also mehr als sechs Stun­den spä­ter als ärzt­li­cher­seits vorgeschrieben.

Wenn wir schon nicht auf der Müritz rudern kön­nen, möch­ten wir wenigs­tens nach­prü­fen war­um nicht. Am bes­ten auf einer Damp­fer­fahrt, die wir nach kur­zer Kaf­fee­pau­se in Waren begin­nen. Beim Ankämp­fen gegen die Wel­len denkt man eher an Nord­at­lan­tik­fisch­fang­schif­fe als an Aus­flugs­damp­fer. Die Gischt geht über den Bug, Blu­men­va­sen stür­zen um, den Schei­ben­wi­scher lässt der Kapi­tän gleich aus (viel­leicht funk­tio­niert er auch nicht). Nach der Wen­de (über Steu­er­bord) gemüt­li­ches Damp­ferfah­ren mit den Wel­len mit zeit­wei­li­gem genuss­vol­len Sit­zen auf dem Sonnendeck.

Auf der Rück­rei­se machen wir noch einen kur­zen Abste­cher zum Yacht­ha­fen Rech­lin, bevor wir gegen 17 Uhr im Hotel ankom­men. Ab 18.45 Uhr tref­fen wir uns im Hotel zum Abend­essen, wobei die Fahr­ten­lei­ter wegen der krea­ti­ven Aus­le­gung der Ver­ab­re­dung durch eini­ge Mann­schafts­glie­der anfangs etwas ange­fres­sen sind. Das Buf­fet, auf das sechs Abweich­ler zuguns­ten Kalo­rien­re­duk­ti­on ver­zich­ten, sowie der beglei­ten­de Gesang von Anke, die in Lob­re­den mehr­fach als „char­mant“ bezeich­net wird, las­sen den Ärger ver­ges­sen. Das Gesangs­pro­gramm wird an uns See­bä­ren ange­passt und als Zuga­be müs­sen wir tat­säch­lich auf dem Boden sit­zend das „Alo­ahe“ zele­brie­ren. Eine klei­ne Grup­pe nimmt noch einen Nacht­trunk und lässt eine Cham­pions-League-Halb­zeit über sich ergehen.

4. Tag, Do., 14. September (26 km)

Der Wind ist zwar noch durch­aus spür­bar („leb­haft“ aus SW, Stär­ke 4, Böen 6–7), aber es reg­net wenigs­tens nicht. Im Alter muss man eben die klei­nen Din­ge des Lebens genie­ßen ler­nen. Wir fah­ren vom Mirower See aus nach Nor­den. Bevor das drit­te Boot ruder­be­reit ist, ist das ers­te schon einen Kilo­me­ter gese­gelt! Wir pas­sie­ren das Gran­zower Möschen, den Gro­ßen Kot­zower See und den Lep­pin­see, bevor wir nach dem Woter­fitz­see durch enge Kanä­le rudern, die den Steu­er­män­nern ihr gan­zes Kön­nen abver­lan­gen, bzw. ihnen ihre natür­li­chen Gren­zen auf­zei­gen. See­ro­sen, Schilf, umge­stürz­te Bäu­me und die eine oder ande­re schma­le Öff­nung in Eisen­zäu­nen wer­den aber ins­ge­samt zufrie­den­stel­lend, ohne grö­ße­re Hava­rie bewäl­tigt. Die feh­len­de Flag­ge eines Boo­tes ist nicht auf die Extrafahrt im Schilf­gür­tel zurück­zu­füh­ren, sie wur­de ein­fach mor­gens ver­ges­sen, was aber bis dahin nie­man­dem auf­fiel. Am Ende der frü­her ein­mal wich­ti­gen Ver­bin­dung „Bol­ter Kanal“ machen wir an der Bol­ter Müh­le Rast. Nach kur­zem Umtra­gen wäre man als­bald wirk­lich auf der Müritz. Rück­fahrt auf der­sel­ben Stre­cke, nach­dem auch die War­te­zeit der zwei Fisch­bröt­chen ver­zeh­ren­den Kame­ra­den bei den nahen Fisch­tei­chen ein Ende hat. Der Wind frischt auf, durch kur­zen Schau­er gewürzt. Kurz vor 15 Uhr Ankunft am Hotel und Zeit bis zum aus­wär­ti­gen Abend­essen, zu dem wir um 18.15 Uhr star­ten. Die Fahrt nach Neu­stre­litz, Stadt der preu­ßi­schen Köni­gin Lui­se, lohnt sich schon des zen­tra­len acht­ecki­gen Plat­zes wegen, einem impo­san­ten Ensem­ble baro­cker Städ­te­pla­nung, den wir auf unse­rem klei­nen Rund­gang bestaunen.

 

 

Wir essen in der „fabrik“, in der frü­her ein­mal Ofenka­cheln her­ge­stellt wur­den. End­lich mal ein gro­ßer Tisch, an dem die gan­ze Trup­pe im Kreis, bzw. im Vier­eck sit­zen kann. Weit­ge­hend emp­feh­lens­wer­te Küche, gute Bedie­nung. Die Rück­fahrt auf schma­ler Land­stra­ße wird unter stren­ger Rück­sicht­nah­me auf die ein­hei­mi­sche Tier­welt, die beim Über­que­ren der Stra­ße lei­der oft unkon­zen­triert ist, vor­bild­lich absolviert.

5. Tag, Fr., 15. September (31 km)

Da wir am Sonn­abend nicht mehr rudern wol­len, müs­sen die Boo­te, Wind und Wet­ter nicht beach­tend, heu­te vom Mirower See zum Wang­nitz­see über­führt wer­den. Pro­blem even­tu­ell: Stau vor der Stra­se­ner Schleu­se. Des­halb machen wir uns früh auf die Rei­se und kön­nen die Diemit­zer Schleu­se zügig hin­ter uns las­sen. Auf dem Labus­see ordent­li­cher Wel­len­gang, ohne dass die Boo­te nen­nens­wert Was­ser neh­men. Vor der Schleu­se Canow war­ten wir eine Wei­le und just als wir in die Schleu­se ein­fah­ren wol­len, kommt ein lei­der vor­rang­be­rech­tig­ter Aus­flugs­damp­fer. Um die 45 Minu­ten War­te­zeit zu ver­mei­den, wol­len wir die Schur­re neh­men. Das ers­te Boot ver­liert bei der Ein­fahrt in den Schur­ren­ka­nal bei „Ruder lang“ kurz die Kon­trol­le über oben und unten und führt eine etwas ver­früh­te gründ­li­che Boots­wä­sche durch, die eigent­lich erst am Ziel der Fahrt geplant war.

 

 

Kei­ne Vor­wür­fe, kei­ne Häme (noch nicht), tro­cke­ne Klei­dung wird den durch­näss­ten Pech­vö­geln gereicht und nach kur­zer Ver­zö­ge­rung geht es wei­ter zum Rast­platz bei Klein­zer­lang. Der Kiosk­be­sit­zer kommt erst spät um Kaf­fee zu ver­kau­fen, aber unser Buf­fet­tisch ist wie immer reich­hal­tig gedeckt. Die Schleu­se Stra­sen, die kei­ne Schur­re besitzt, wird mit über­ra­schend kur­zer War­te­zeit ohne Hava­rie gemeis­tert. Danach geht‚s mit Schie­be­wind heim­wärts zum Wang­nitz­see, wo zwei Boo­te abge­legt und eines auf dem Hän­ger zur Rück­fahrt nach Ber­lin ver­la­den wird. Abend­essen gibt es im Strand­ho­tel Mirow, dies­mal ohne Gesang. Ohne jede aus­schwei­fen­de Abschieds­fei­er ver­krü­meln sich die meis­ten früh in die Bet­ten. Frü­her war mehr los…

6. Tag, Sa., 16. September

 

End­lich: Aller­bes­tes, wind­stil­les Ruder­wet­ter! Aber ohne uns. Und end­lich: Wor­auf alle fünf lan­ge Tage hin­ge­ar­bei­tet haben: Die Kap­pen­ord­nung wird noch vor dem Früh­stück aus­ge­setzt. Man kann wie­der pro­blem­los, ganz wie ein nor­ma­ler Mensch, Bröt­chen­ge­krü­mel mit einem Schluck Kaf­fee, Tee oder Saft hin­un­ter­spü­len. Die über­gro­ße Mehr­zahl der Mensch­heit, die noch nie das schö­ne Joch der Kap­pen­ord­nung erdul­den durf­te, weiß gar nicht, wie gut sie es hat! Nach dem Früh­stück holen wir den Boots­an­hän­ger am Wang­nitz­see ab und tref­fen auf die Minu­te pünkt­lich um 11 Uhr am Arko­na-Boots­haus ein. Auch hier hat die Dop­pel­spit­ze Bernd & Bernd, wie bei der Orga­ni­sa­ti­on der gesam­ten Fahrt, wie­der eine per­fek­te Leis­tung abge­lie­fert (weni­ger wür­den die in die­ser Hin­sicht ver­wöhn­ten Alten Her­ren aber auch nicht akzep­tie­ren!). Eine Arbeits­stun­de spä­ter fah­ren alle nach Hau­se, um sich um 14 Uhr – Grund für die frü­he Rück­rei­se – nach Fried­richs­hain, zur Ruder-Bun­des­li­ga zu bege­ben. Na, ja, die Schlag­zahl die­ser Ach­ter haben wir auf unse­ren Fahr­ten knapp ver­fehlt, dafür macht’s bei uns die Mas­se: 120 km auf den Gewäs­sern zwi­schen Wang­nitz­see und Müritz wer­den allen in bes­ter Erin­ne­rung bleiben.

Klaus Becker

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