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Altherrenfahrt auf der Lahn: Schleusen, Bootsgassen und etwas Rudern. 14.9. bis 21.9.2013

von Thomas Osteroth

10. März 2014

1.Tag, Samstag – Hinfahrt Berlin – Gießen, ca. 500 km. 0 Schleusen

Das fängt ja gut an: Der Ste­cker des Anhän­gers passt nicht in das Gegen­stück am Auto. Harald und Bernd Sto­eckel pro­bie­ren ver­ge­bens. Kurz bevor Panik aus­bricht, ver­sucht es Pro­fes­sor Tho­mas Osteroth und schafft es locker („Dre­hen und ste­cken!“). Um 9.30 Uhr setzt sich die Grup­pe der 13 (der 14. stößt spä­ter zu uns) im Nebel in Bewe­gung. Auf der Auto­bahn scheint es auf­zu­kla­ren, viel­leicht liegt es auch dar­an, dass die Lüf­tung ein­ge­schal­tet wird und die Schei­ben nicht mehr beschla­gen sind. Als wir gegen Mit­tag Pau­se machen, hat sich das schö­ne Wet­ter wie­der ver­zo­gen und es reg­net. Schnel­le Fahrt durch die Kas­se­ler Ber­ge, plan­mä­ßig errei­chen wir Gie­ßen (Nomen est omen) gegen 15.30 Uhr.

In Gie­ßen tren­nen sich die fast 500 km gemein­sam dahin­ra­sen­den Autos von­ein­an­der, weil die Adres­sen, die in die drei Navi­ga­ti­ons­ge­rä­te, die uns auf der Fahrt noch den einen oder ande­ren klei­nen Streich spie­len wer­den, ein­ge­spei­chert wur­den, nicht mit­ein­an­der abge­gli­chen wur­den. Mensch­li­ches Ver­sa­gen. Immer­hin haben wir auf unse­rem ein­stün­di­gen Gie­ßen­er­kun­dungs­trip erfah­ren, dass es drei Ruder­clubs gibt: Has­sia, RG und Hel­las. Wie es immer so ist: Beim drit­ten Ver­ein sind wir rich­tig. Als auch der zwei­te Wagen end­lich dort ein­trifft, beschwe­ren sich die Nach­züg­ler, dass noch nicht auf­gerig­gert wur­de. Alle zusam­men erle­di­gen das, nach­dem ein ordent­li­cher Regen­schau­er vor­über gezo­gen ist. Weil bis­her alles so per­fekt läuft, kann ja mal was schief gehen: Wo sind eigent­lich die Steu­er­manns­sit­ze von Schar­fe Lan­ke und Dah­me? Offen­sicht­lich im Boots­haus in Span­dau. Aber in der Impro­vi­sa­ti­on zeigt sich das wah­re Genie: Harald besorgt aus dem Ruder­ver­eins­fun­dus einen Stuhl, der mit der wich­tigs­ten Erfin­dung des 20. Jahr­hun­derts, dem Kle­be­band, ergo­no­misch per­fekt befes­tigt wird. Für die Schar­fe Lan­ke wird eine Klapp­kis­te aus Kunst­stoff besorgt, mit Mate­ri­al gefüllt, ver­klebt und ein­ge­passt: Tie­fer Sitz, dafür bes­se­rer Schwer­punkt im Boot.

Um 18.30 Uhr gibt es das Abend­essen im Alten Eis­haus, unse­rer Unter­kunft, mit ver­schärf­ter Kap­pen­ord­nung. Gepfleg­tes Durch­ein­an­der, weil uns die Kell­ne­rin bit­tet, nur die Num­mern der Pfann­ku­chen­va­ria­tio­nen zu nen­nen. Als ein ande­rer Ober das Essen bringt, kennt er nur die Namen, die wir wie­der ver­ges­sen haben, nicht aber die Num­mern. Trotz­dem wird jeder satt. Drei Kame­ra­den schmeckt das Gie­ße­ner Pils so deli­kat, dass sie die Kell­ne­rin durch nicht enden wol­len­de Bestel­lun­gen um einen Teil ihres Nacht­schla­fes bringen.

2.Tag, Sonntag – 1. Etappe: Gießen – Wetzlar, 19 km. 3 Bootsgassen, 2 Schleusen

Früh­stück pünkt­lich um 7.55 Uhr. Nichts vom befürch­te­ten Regen zu sehen, der wird auf mor­gen ver­scho­ben. Die heu­ti­ge Halb­etap­pe zum Ein­ge­wöh­nen führt von Gie­ßen nach Wetz­lar, was vor eini­gen Jahr­zehn­ten vor­über­ge­hend eine inner­städ­ti­sche Ange­le­gen­heit war, als eif­ri­ge Poli­ti­ker mit viel Gespür für Vol­kes Wil­le die bei­den Städ­te zur Groß­stadt „Lahn“ (Auto­kenn­zei­chen „L“) zusam­men­leg­ten. Wüten­de Pro­tes­te been­de­ten den Unsinn.

Die Etap­pe wird nega­tiv geprägt durch das (Alt­her­ren­fahrt!) Ver­ges­sen der Becher für die mit­ge­nom­me­nen anre­gen­den Getränke.

Son­der­ba­rer Wei­se beginnt die Etap­pe bei Fluss­ki­lo­me­ter minus 7,5, d.h., dass wir die ers­ten Kilo­me­ter eigent­lich gar nicht rudern, weil es sie offen­sicht­lich nicht gibt. Trotz­dem müs­sen wir die Boo­te durch drei soge­nann­te Boots­gas­sen jon­glie­ren, was man sich wie Fisch­trep­pen, nur umge­kehrt, vor­stel­len muss.

Ent­fernt erin­nern die Gas­sen auch an die Was­ser­rut­schen in Frei­zeit­parks, mit dem Unter­schied, dass man lei­der nicht im Boot sit­zen blei­ben kann. Gewöh­nungs­be­dürf­tig, das Gan­ze, weil das Boot teil­wei­se macht, was es will. Zwei Selbst­be­die­nungs­schleu­sen wer­den pas­siert, eine Kanu­groß­fa­mi­lie beglei­tet uns. Wir wun­dern uns: Eigent­lich sind Ruder­boo­te schnel­ler als Kanus. Letzt­lich sind wir um 13.30 Uhr bei der RG Wetz­lar, wo wir die Boo­te an Land brin­gen. Freund­li­cher­wei­se lässt uns der Wirt der Piz­ze­ria unser Pick­nick auf sei­ner Ter­ras­se durch­füh­ren, wenn wir die Geträn­ke im Restau­rant ordern. Dies tun wir auf Kos­ten der Klas­sen­kas­se, Kaf­fee und Kuchen run­den den Ruder­tag schon um 15 Uhr ab. Weil die Erwar­tun­gen an die City of Gie­ßen auf der Span­nungs­ska­la von 0 bis 10 deut­lich gegen minus drei ten­die­ren, zie­hen letzt­lich alle den Mit­tags­schlaf einem Stadt­bum­mel vor.

Ab 18.30 Uhr dann wie­der Pfann­ku­chen­es­sen im Alten Eis­haus. Wenn man den Anek­do­ten, die so erzählt wer­den, glau­ben darf, war die in den vier­zi­ger Jah­ren gebo­re­ne Genera­ti­on die­je­ni­ge, die die übels­ten Strei­che aus­ge­heckt und durch­ge­führt hat. Was da mit Sil­ves­ter­knal­lern, Tau­ben­ei­ern oder Zwil­len ange­stellt wur­de, reicht für jahr­zehn­te­lan­ges Galee­ren­straf­ru­dern. Eini­ge schwä­cheln noch auf­grund der vor­abend­li­chen Gege­ben­hei­ten, so dass die Nacht­ru­he aus­rei­chend lang wird.

3. Tag, Montag, – 2.Etappe: Wetzlar – Weilburg, 29 km. 2 Bootsgassen, 3 Schleusen

Inter­es­sant: Jede „Boots­gas­se“ ist anders gebaut, damit es nicht lang­wei­lig wird. Die ers­te direkt nach dem Start stammt aus einer Zeit, als es noch kei­ne Ruder­boo­te gab und sich die arme Mensch­heit noch im selbst­ge­zim­mer­ten Ein­baum fort­be­we­gen muss­te. Die­ser hat aber den Vor­teil auch ohne Aus­le­ger zufrie­den­stel­lend zu funk­tio­nie­ren, wes­halb er bedeu­tend schma­ler als ein Ruder­boot ist und des­halb für die Boots­gas­se 60 cm „Brei­te“ vom Archi­tek­ten als aus­rei­chend erach­tet wur­den. Nun gut, aus dem Boots­haus sind wir das Ankan­ten beim Tra­gen gewöhnt. Einen Wol­ken­bruch war­ten wir, schon durch­nässt, vor dem zwei­ten Wehr unter einer Brü­cke ab. Die zwei­te Kon­struk­ti­on ist weder Gas­se noch Rut­sche, son­dern besteht aus einer gewag­ten Rol­len­an­ord­nung, die man aus Braue­rei­en oder Paket­ver­teil­zen­tren ken­nen mag, nicht aber vom Was­ser­sport. Wir tra­gen die Boo­te also ca. 100 m weit über Stock und Stein (und Hun­de­kot) und set­zen dann unse­re Fahrt fort.

Die Mit­tags­rast am Cam­ping­platz Ober­biel, die Son­ne hat mitt­ler­wei­le die nas­se Klei­dung getrock­net, ist vom Land­dienst vor­bild­lich vor­be­rei­tet. Auf der Nach­mit­tags­etap­pe wird die Land­schaft inter­es­san­ter, weil die ers­ten Ber­ge den Fluss auf bei­den Sei­ten beglei­ten, die Strö­mung wird schnel­ler, es gibt Untie­fen, die man mei­den sollte.

 

Die zwei Schleu­sen las­sen, zumin­dest bei Ober­schleu­sen­be­die­ner Bernd Sto­eckel (bis­her nur Selbst­be­die­nungs-schleu­sen), kei­ne Lan­ge­wei­le auf­kom­men. Nach der Ankunft in Weil­burg und län­ge­rem Auto­trans­fer durch lieb­li­che Dör­fer mit schö­nen, wei­ten Aus­bli­cken übers Land (bis zum Ende der Rei­se gibt es Unklar­hei­ten über die Lage von Huns­rück, Tau­nus und Wes­ter­wald), errei­chen wir unser Quar­tier in Lau­ren­burg. Das Hotel hat vier oder fünf Ster­ne weni­ger als das Alte Eis­haus, wird aber freund­lich und lie­be­voll arme­nisch-rumä­nisch geführt. Das Abend­essen ist über­ra­schend gut bei mode­ra­ten Prei­sen. Das Funk­loch stürzt eini­ge Ruder­freun­de in eine exis­ten­zi­el­le Kri­se, da die Gat­tin den täg­li­chen Anruf erwar­tet und sich nun so sei­ne (unbe­rech­tig­ten) Gedan­ken macht, wäh­rend wir ganz harm­los vier gleich­sei­ti­ge Drei­ecke aus sechs Streich­höl­zern zu kon­stru­ie­ren ver­su­chen. Obwohl das trotz des Namens nicht kos­ten­lo­se Nas­sau­er Bier auf Trink­bar­keit getes­tet wird, ist Mit­ter­nacht kei­ne ech­te Opti­on, son­dern erin­nert höchs­tens an das nahen­de Silvesterfest…

4.Tag, Dienstag, – 3. Etappe: Weilburg – Limburg, 36 km. 5 Schleusen

Der mor­gend­li­che Bus­trans­fer wird mit einer kur­zen Fehl­lei­tung eines Navis über­stan­den. Es ist kalt, aber die Son­ne scheint. Vor dem Start wer­den die Akkus der Mobil­te­le­fo­ne außer­halb des Lau­ren­bur­ger Funk­lochs arg stra­pa­ziert. Es ist wie beim Wan­der­tag von 14-jäh­ri­gen, die sich auch stets über das Wich­tigs­te der ver­flos­se­nen 18 Minu­ten aus­tau­schen müs­sen. Die größ­te Her­aus­for­de­rung des Tages liegt aber direkt nach der Abfahrt gegen 10.30 Uhr vor uns. Wir ver­las­sen den Weil­bur­ger RV und müs­sen durch einen 180 m lan­gen Tun­nel fah­ren, der wegen man­geln­der Brei­te ein Aus­le­gen bei­der Skulls lei­der nicht erlaubt. Die ver­schie­dens­ten Tech­ni­ken wer­den dis­ku­tiert (Spree­wald­schlag, ver­kürz­te Skulls, Ruder auf einer Sei­te lang und mit Pad­del vor­ar­bei­ten etc). Obwohl der Unter­schied zwi­schen Theo­rie und Pra­xis deut­lich zuta­ge tritt, schaf­fen es irgend­wie alle Boo­te, an der Dop­pel­schleu­se anzu­kom­men, auch das drit­te Boot hört man schon von wei­tem, ein gewis­ser Mate­ri­al­ver­schleiß an den Skulls kann nicht völ­lig aus­ge­schlos­sen wer­den. Nicht nur beim Hobeln fal­len Spä­ne! Schleu­sen­meis­ter Bernd Sto­eckel arbei­tet sich kur­belnd an den letz­ten Selbst­be­die­nungs­schleu­sen ab.

Bei Fluss­ki­lo­me­ter 62 hat der Land­dienst an einem schö­nen Pick­nick­platz das Buf­fet vor­be­rei­tet. Weil wir wegen Tun­nel und Schleu­sen nur müh­sam vor­an kom­men, sind wir erst gegen 14.30 Uhr dort und fah­ren gegen 15.30 Uhr, wäh­rend die ers­ten Regen­trop­fen nie­der­ge­hen, ab, nicht ohne vor­her auf­ge­regt den drit­ten Pad­del­ha­ken, der sich selbst­stän­dig gemacht hat­te, zu suchen und zu fin­den. Irgend­was geht immer auf die­ser Fahrt verloren…

Die Nach­mit­tags­halb­etap­pe zeigt, dass man zum Raf­ting nicht in die Alpen oder nach Colo­ra­do fah­ren muss. Auch die lie­be Tan­te Lahn hält eini­ge Stel­len mit Wild­was­ser­cha­rak­ter für uns bereit. Die Steu­er­leu­te haben Schwerst­ar­beit zu ver­rich­ten. Grund­be­rüh­rung mit Skulls kann zwar nicht immer ver­mie­den wer­den, die Steu­er­män­ner bewäl­ti­gen ihre Auf­ga­be aber her­vor­ra­gend und lot­sen uns durch die Klippen.

 

Beim RC Lim­burg, direkt unter­halb des Doms, brin­gen wir unse­re Boo­te an Land. Das Sight­see­ing ent­fällt wie­der ein­mal wegen Regens und der vor­an­ge­schrit­te­nen Zeit. Wir essen in der Ober­müh­le, des­sen unter­schläch­ti­ges Was­ser­rad immer­hin 94.000 kWh Strom (genug für ca. 30 Vier-Per­so­nen-Haus­hal­te, wenn nicht zu heiß geba­det wird) pro Jahr pro­du­ziert, in der es tro­cken, warm (Kamin!!) und gemüt­lich ist. Im Dun­keln bewäh­ren sich die Navis aus­nahms­wei­se, sie lei­ten uns ohne Umwe­ge, soweit wir das beur­tei­len kön­nen, heim­wärts, wo uns der net­te Wirt mit gekühl­ten Geträn­ken und Knab­be­rei­en erwar­tet. Grog ordert noch niemand…

5.Tag, Mittwoch, – 4. Etappe: Limburg – Laurenburg, 26 km. 4 Schleusen

Die Früh­stücks­ei­er sind zwar wie­der stein­hart und es nie­selt seit Son­nen­auf­gang (nur noch), aber schlech­te Lau­ne gilt nicht. Schließ­lich wer­den die Schleu­sen ab heu­te von gelang­weil­ten Schleu­sen­wär­tern, ‑war­ten oder ‑meis­tern (wir kön­nen uns nicht auf einen Begriff eini­gen) bedient, so dass unser bis­he­ri­ger Haupt­schleu­sen­vor­ar­bei­ter Bernd ent­las­tet wird. Vor­mit­tags end­lich mal Kul­tur: Wir besich­ti­gen den Lim­bur­ger Dom und schlen­dern durch die von Fach­werk­häu­sern domi­nier­te Altstadt.

Wegen des Nie­sel­wet­ters und des Wochen­ta­ges hält sich der Ansturm der Tou­ris­ten­grup­pen in Grenzen.Bis auf eine star­ke Quer­strö­mung nach einer Schleu­se gibt es kei­ne beson­de­ren Ruder­vor­komm­nis­se. Land­schaft­lich wird die Gegend immer reiz­vol­ler, wir fah­ren durch bewal­de­te Schluch­ten, das Laub beginnt sich an eini­gen Stel­len herbst­lich zu fär­ben. Der leich­te Nie­sel­re­gen endet bei Fluss­ki­lo­me­ter 102 mit dem Anle­gen vor unse­rem „Gast­haus zum Lahn­tal“ und die Son­ne scheint ver­füh­re­risch. Der Fahr­ten­lei­ter schlägt vor, die das Tal beherr­schen­de Burg zu erklim­men (viel­leicht gibt es dort Funk­kon­takt mit der Zivi­li­sa­ti­on?). Der „Ein­stieg“ ist aber ver­schlos­sen, den ande­ren Weg fin­det nur eine eli­tä­re Min­der­heit, die spä­ter begeis­tert von Aus­sicht, Turm­be­woh­ner und klei­nem Muse­um berich­tet. Die fau­le Mehr­heit muss sich den Rest­nach­mit­tag lei­der bei einem ers­ten Ter­ras­sen­bier ver­trei­ben. Das Abend­essen fin­det wie­der im Gast­haus statt, nie­mand ver­misst sei­ne Bril­le oder sein Mobil­te­le­fon. Sonderbar…

6.Tag, Donnerstag, – 5. Etappe: Laurenburg – Bad Ems, 22 km. 4 Schleusen

Schön, wenn man mal nicht mit dem Auto zum Boot gefah­ren wer­den muss. Ein Grup­pen­fo­to mit Selbst­aus­lö­ser zu foto­gra­fie­ren ist gar nicht so ein­fach: Zum einen muss man wis­sen, auf wel­chen Knopf man drü­cken muss und zum zwei­ten muss der Aus­lö­sen­de schnell sei­nen Platz in der Grup­pe suchen. Das braucht eini­ge Anläu­fe. Gemäch­li­ches Rudern von Schleu­se zu Schleu­se, Mit­tags­rast nach geschla­ge­nen 14 km in Nas­sau, wo immer­hin die Hälf­te der Mann­schaft am gepfleg­ten Rast­platz an der Ufer­pro­me­na­de in der Son­ne essen kann. Die groß­zü­gi­ge Eis­spen­de von Jür­gen wird auch von den Schat­ten­sit­zern dan­kend ange­nom­men. Nach zwei wei­te­ren Schleu­sen legen wir in Bad Ems beim hei­mi­schen Ruder­ver­ein an. Der Metall­git­ter­steg ist lei­der nur bis 1000 kg belast­bar, was ihn beim Hoch­tra­gen der Boo­te unter Was­ser sin­ken lässt. Ein paar Rude­rer bekom­men nas­se Füße.

Unser neu­es Quar­tier liegt in Lahn­stein, aber nicht im Tal, wo sich Eisen­bahn- und Hoch­brü­cken­lärm ein­drucks­voll ver­men­gen, son­dern in „Lahn­stein auf der Höhe“, wo wir im „Wald­haus“ unter­ge­bracht sind. Eini­ge haben Feri­en­woh­nun­gen außer­halb des Haupt­hau­ses, ande­re schla­fen im Haus, vol­ler Vor­freu­de auf die Okto­ber­fest-Live­mu­sik am nächs­ten Abend. Nach einer Stun­de fah­ren wir zur Burg „Lahneck“, von der aus man unse­re klei­ne Lahn in den gro­ßen Bru­der Rhein flie­ßen sehen kann. Vier Kul­tur­ba­nau­sen deh­nen die Kaf­fee­pau­se aus (ein Kame­rad schafft es in der Zeit, drei gro­ße Eis­be­cher – mit Sah­ne – zu genie­ßen), wäh­rend die Mehr­heit die Burg­füh­rung mit­macht. Da der Pro­to­kol­lant zu den Fau­len gehört, muss lei­der die zwei bis drei Druck­sei­ten umfas­sen­de aus­führ­li­che Dar­stel­lung der Burg­füh­rung ersatz­los ent­fal­len. Nur so viel: Die Füh­re­rin erklär­te anschau­lich die Her­kunft eini­ger Rede­wen­dun­gen wie „tür­men“ (sich vor Fein­den im Burg­turm ver­schan­zen), „aus dem Näh­käst­chen plau­dern“ (den Inhalt von im Näh­käst­chen ver­steck­ten Lie­bes­brie­fen, von Bediens­te­ten gefun­den, aus­plau­dern), „auf den Hund kom­men“ (wenn man den tra­di­tio­nell mit einem Hun­de­bild geschmück­ten Boden der Geld­tru­he sehen konn­te, war man plei­te) oder „einen Zacken zule­gen“ (den Koch­topf über dem Herd­feu­er, um mehr Wär­me zu bekom­men, an sei­ner Ket­te etwas tie­fer hän­gen). Das Salu­tie­ren lässt sich auf das Hoch­schie­ben des Visiers zurück­füh­ren. Ob Goe­the, der der Burg selbst­re­dend auch eini­ge Zei­len wid­me­te (von Schu­bert ver­tont), als er auf dem Rhein vor­über fuhr, salu­tier­te, ist nicht über­lie­fert. Genau über­lie­fert ist jedoch, dass der Fahr­ten­lei­ter um 22.30 Uhr, nach einem über­durch­schnitt­lich guten Essen zu mode­ra­ten Prei­sen im Wald­haus, die Nacht­ru­he „emp­fiehlt“.

Päd­ago­gisch geschickt spricht er natür­lich kei­nen Befehl aus, son­dern gähnt ver­nehm­lich und sagt, dass es ja schon ganz schön spät sei…

7.Tag, Freitag, – 6. Etappe: Bad Ems – Lahnstein, 13 km. 4 Schleusen

Wie man auf 13 Ruder­ki­lo­me­tern vier Schleu­sen ein­ar­bei­ten kann, wis­sen nur der lie­be Gott und der Fahr­ten­lei­ter. Das Ziel wird kurz nach 12.30 Uhr erreicht, wir rudern jedoch am ungläu­big drein­schau­en­den Land­dienst vor­bei und schnup­pern noch etwas Rhein­luft, indem wir uns fast bis zur Mün­dung der Lahn vor­ar­bei­ten, hal­ten jedoch respekt­vol­len Abstand, um nicht in den Strom hin­ein­ge­so­gen zu wer­den. Nach dem Abrig­gern und Ver­la­den der Boo­te gehen wir zum Wirts­haus an der Lahn, wo wir Flamm­ku­chen oder rich­ti­gen Kuchen ver­zeh­ren. Nach dem Duschen und Umzie­hen geht es wie­der berg­ab nach Koblenz, wir bezah­len kei­ne 11,80 Euro für die Schwe­be­bahn über den Rhein zur Fes­te Ehren­breit­stein, son­dern gehen zum Deut­schen Eck und bum­meln ein Stünd­chen durch die Altstadt.

Für den Abend ist ein „Okto­ber­fest“ ange­kün­digt. Okto­ber­fest heißt ja in sei­ner ursprüng­li­chen Bedeu­tung laut Duden „Haxe, Weiß­wurst und Brezn essen und dazu so viel baye­ri­sches Bier trin­ken, wie hin­ein­passt“. Die meis­ten Arko­nen hal­ten sich an die­se amt­li­che Vor­schrift. Die Musik soll nicht von einer Blas­ka­pel­le, son­dern von einem Allein­un­ter­hal­ter (E‑Gitarre, Com­pu­ter und Gesang) gespielt wer­den. So was geht oft schief, in die­sem Fal­le ist aber alles bes­tens, weil der Herr trotz sei­ner etwas zu schwarz gefärb­ten Haa­re mit den deut­schen Schla­gern der letz­ten sech­zig Jah­re genau den gewünsch­ten Ton der Anwe­sen­den trifft. Auch eini­ge Her­ren der Ruder Uni­on Arko­na schwin­gen gekonnt das Tanz­bein. Und eins muss noch gesagt wer­den: Mick Jag­ger ist 70 und Die­ter König ist 77 aber der gute Mick wür­de vor Neid erblas­sen, wenn er Die­ter auf der Tanz­flä­che sehen könn­te. Chapeau!

8.Tag, Sonnabend, – Rückfahrt Lahnstein – Berlin, ca. 700 km. 0 Schleusen

Der heim­li­che Höhe­punkt der Alt­her­ren­fahrt ist natür­lich die Aus­wer­tung der Kap­pen­kas­sen­lis­te. Wie immer im Leben gibt es Gewin­ner und Ver­lie­rer. Die 54 Euro steu­er­frei­es Ein­spiel­ergeb­nis kom­men sowie­so der Grup­pe zugu­te. Ein ein­fa­cher Umver­tei­lungs­pro­zess, wie er in unse­rer Gesell­schaft nun mal üblich ist. End­lich früh­stü­cken ohne Kap­pen­stress: Eini­ge genie­ßen es wirklich.

Auf der Rück­fahrt ist noch so eini­ges zu erle­di­gen: Hel­mut wird zum Bahn­hof gebracht, wir fah­ren fröh­lich aber zeit­in­ten­siv über klei­ne Land­stra­ßen nach Lau­ren­burg, um ver­ges­se­ne Sachen abzu­ho­len (Sitz­kis­sen, Kap­pe und noch etwas, das ich auch ver­ges­sen habe…), Brot für den Mit­tags­im­biss kau­fen (dabei grö­ße­re Umwe­ge, auf die uns das Navi schickt, in Kauf neh­mend. Mer­ke: Gewen­det wird nicht!) und schließ­lich: Den Steu­er­manns­sitz zu Hel­las Gie­ßen mit bes­tem Dank zurück­brin­gen. Dann end­lich Rich­tung Ber­lin fah­ren und trotz alle­dem noch pünkt­lich um 17 Uhr ankom­men. Es wird hier nicht ver­ra­ten, mit wel­cher Geschwin­dig­keit teil­wei­se gefah­ren wur­de. Nur so viel: Por­sche haben uns nicht überholt…

Mit bes­tem Dank an Fahr­ten­lei­ter und Schleu­sen­meis­ter Bernd Sto­eckel, der die Rei­se wie erwar­tet per­fekt orga­ni­siert hat­te, ver­ab­schie­den sich die Teil­neh­mer nach einer gelun­ge­nen Altherrenfahrt.

 

Klaus Becker

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