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Anläss­lich des Gewinns der Bron­ze­me­dail­le auf der Junio­ren-WM im bul­ga­ri­schen Plov­div im August 2021 habe ich fol­gen­de Inter­views mit Mar­le­ne und Loui­sa geführt.

Rebek­ka Fal­ken­berg (Stral­sun­der Ruder-Club e.V.), Lina Goe­t­ze (Ruder­klub am Wann­see e.V.), Johan­na Debus (Ruder­ge­sell­schaft Hei­del­berg 1898 e.V.) und Schlag­frau Mar­le­ne Schol­lmey­er (Ruder-Uni­on Arko­na Ber­lin ). Quel­le: DRV

WFr: Mar­le­ne, Du bist vor zwei Jah­ren zur Trai­nings­mann­schaft der RU Arko­na gesto­ßen. Bereits nach einem Jahr hast Du auf den U‑17 Meis­ter­schaf­ten Bron­ze im Dop­pel­zwei­er und Gold im Dop­pel­vie­rer gewon­nen und in die­sem Jahr auch gleich bei den U19-Junio­rin­nen erneut den Meis­ter­ti­tel im Dop­pel­vie­rer gewon­nen. Wor­auf führst Du im Wesent­li­chen die­se über­ra­schend schnel­le Ent­wick­lung zurück?

Mar­le­ne: Naja also ich wür­de sagen ich habe ein­fach den rich­ti­gen Zeit­punkt und die rich­ti­gen Leu­te erwischt, die mich ab dem ers­ten B‑Juniorenjahr bei Arko­na und in der Trai­nings­grup­pe geför­dert haben. Das hat mich sehr ange­spornt und führt dazu, dass ich immer beim Trai­ning moti­viert bin. Dazu kommt mein Ehr­geiz und dass ich nicht möch­te, dass mei­ne, sowie­so schon gerin­ge, Trai­nings­zeit ver­schwen­det wird.

WFr: Nach dem Gewinn der deut­schen Meis­ter­schaft wur­de die Mann­schaft auch gleich für die Junio­ren-WM in Plov­div nomi­niert und berei­te­te sich dann in einem 4‑wöchigen Lehr­gang an der Regat­ta­stre­cke in Ber­lin-Grün­au auf die WM vor. Wie oft habt Ihr täg­lich trai­niert? Gab es in Grün­au auch die Mög­lich­keit, sich außer­halb des Trai­nings­la­gers mal mit ande­ren Din­gen als Rudern zu beschäftigen?

Mar­le­ne: Nor­ma­ler­wei­se hat­ten wir zwei bis drei Trai­nings­ein­hei­ten am Tag, die­se waren mal mehr und mal weni­ger inten­siv. Außer­halb des Trai­nings gab es nicht vie­le Mög­lich­kei­ten etwas zu machen, da wir in unse­rer “Bub­ble” blei­ben soll­ten um nicht das Virus unter die Mann­schaft zu mischen. Das High­light des Tages war dann meist schon ein Ein­kauf bei Ede­ka 😉

WFr: In Plov­div habt Ihr dann auch gleich mit dem Sieg im Vor­lauf Ansprü­che auf einen Medail­len­platz ange­mel­det und dann im A‑Finale nach har­tem Bord-an-Bord-Kampf Bron­ze gewon­nen. Was über­wog – Ent­täu­schung über den ent­gan­ge­nen WM-Titel oder Freu­de über den Gewinn der Bronzemedaille?

Mar­le­ne: Da über­wog ganz klar die Freu­de. Wir hat­ten natür­lich auf einen Medail­len­platz gehofft, doch nach so einem har­ten Ren­nen am Sie­ger­steg die Bron­ze­me­dail­le im Emp­fang zu neh­men war ein­fach unglaublich!

WFr: Rück­bli­ckend auf den Sai­son­ver­lauf mit der Teil­nah­me an der WM und dem Bron­zerang: Du durf­test bzw. muss­test vier Wochen har­tes Trai­ning und dann noch eine Woche WM in Bul­ga­ri­en absol­vie­ren, wäh­rend Gleich­alt­ri­ge sechs Wochen Som­mer­fe­ri­en mit Fami­lie oder Freun­din­nen bzw. Freun­den genie­ßen kön­nen. Hat sich der gan­ze Auf­wand ver­bun­den mit erheb­li­chen per­sön­li­chen Ein­schrän­kun­gen gelohnt?

Mar­le­ne: Also für mich auf alle Fäl­le! Das Trai­ning war zwar oft hart, aber man weiß ja, war­um man da ist und hat ein ganz kla­res Ziel vor Augen.  Wäh­rend der UWV lernt man ja auch so vie­le neue Leu­te aus ganz Deutsch­land ken­nen, die alle das­sel­be Ziel haben wie man selbst. Da herrscht eine ganz beson­de­re Stim­mung. Man sam­melt natür­lich auch ganz beson­de­re Erin­ne­run­gen mit der Mann­schaft, im Trai­ning und auf der Welt­meis­ter­schaft selbst, an die man sich dann noch lan­ge ger­ne zurück­er­in­nert. Die gesam­te Zeit war natür­lich mit vie­len Anstren­gun­gen und Ein­schrän­kun­gen ver­bun­den, doch am Ende bin ich total dank­bar für jeden Tag, den ich mit der Mann­schaft in Deutsch­land und Bul­ga­ri­en ver­brin­gen durf­te. Dass wir auch noch eine Medail­le mit nach­hau­se neh­men durf­ten, hat dem Gan­zen dann noch­mal das Sah­ne­häub­chen aufgesetzt.

WFr: Nach der Sai­son ist vor der Sai­son. In 2022 star­test Du im zwei­ten A‑Juniorinnenjahr. Nach einem zeit­li­chen Abstand von meh­re­ren Wochen – wel­che sport­li­chen Zie­le hast Du Dir für das nächs­te Jahr vorgenommen?

Mar­le­ne: Mein Ziel für die Sai­son 2022 ist auf alle Fäl­le mich bei den Klein­boo­t­über­prü­fun­gen best­mög­lich zu prä­sen­tie­ren, um dann hof­fent­lich wie­der für einen inter­na­tio­na­len Wett­kampf nomi­niert zu wer­den und bei der Deut­schen Meis­ter­schaft erfolg­reich teil­zu­neh­men.

WFr: Und noch eine abschlie­ßen­de Fra­ge: Fühlst Du Dich von Arko­na gut geför­dert und betreut? Was könn­te Arko­na noch bes­ser machen?

Mar­le­ne: Ich füh­le mich von Arko­na sehr gut unter­stützt, vom Mate­ri­al über die Trai­ner bis zum mensch­li­chen Mit­ein­an­der passt alles. Ich bin Arko­na sehr dank­bar für die vie­le Unter­stüt­zung, För­de­rung und Betreu­ung und könn­te mir nichts vor­stel­len, was bes­ser lau­fen könnte!

Fragen an Louisa Neuland:

Loui­sa Neu­land (rechts) mit ihrer erfolg­rei­chen Schlag­frau Mar­le­ne Schollmeyer

WFr: Loui­sa, nach dem Kin­der­ru­dern und dem anschlie­ßen­den recht erfolg­rei­chen Junio­ren­trai­ning hast Du unmit­tel­bar nach Dei­ner Trai­nings­zeit in 2014 die C‑Übungsleiterlizenz erwor­ben. Wie hast Du reagiert, als Du in 2021 unmit­tel­bar nach den deut­schen Junio­ren­meis­ter­schaf­ten vom Deut­schen Ruder­ver­band den Auf­trag erhieltst, den deut­schen Dop­pel­vie­rer um unse­re Schlag­frau Mar­le­ne Schol­lmey­er für die WM vor­zu­be­rei­ten und zu trainieren?

Loui­sa: Natür­lich stand die sport­li­che Leis­tung der Mädels immer im Mit­tel­punkt und die eige­ne Nomi­nie­rung war nur ein unter­ge­ord­ne­tes Ziel, über das ich mir im Vor­feld der DJM nicht wirk­lich gestat­tet habe nachzudenken.
Als dann jedoch der Meis­ter­schafts­ti­tel sicher war und ich den Anruf erhielt, dass ich mich zu Ein­klei­dung bege­ben soll­te, ist mir wirk­lich klar gewor­den, dass nicht nur mei­ne Mädels, son­dern auch ich per­sön­lich die­se Nomi­nie­rung erreicht hat­ten. Damit habe ich als Trai­ne­rin das geschafft, was mir damals als Akti­ve nie gelun­gen ist. Das macht mich sehr stolz und ich bin froh, dass ich die­sen Weg gemein­sam mit Mar­le­ne gehen durfte. 

WFr: Vier Wochen Vor­be­rei­tung in Ber­lin-Grün­au und eine Woche WM in Plov­div unter Coro­nabe­din­gun­gen – wie hält man vier jun­ge A‑Juniorinnen bei Lau­ne und moti­viert sie, alles dem Ziel einer erfolg­rei­chen WM-Teil­nah­me unterzuordnen?

Loui­sa: Grund­sätz­lich brin­gen Sport­le­rin­nen, die sich über eine har­te Sai­son eine WM-Nomi­nie­rung erar­bei­tet haben, schon von sich aus eine hohe Dis­zi­plin und gro­ßen Ehr­geiz mit. Aller­dings war die Vor­be­rei­tung nicht immer ein­fach, da wir in der UWV vie­le krank­heits­be­ding­te Aus­fäl­le hat­ten, nach denen sich das gan­ze Team immer wie­der aufs Neue zusam­men­rau­fen muss­te. Trotz­dem haben wir uns immer wie­der auf das gemein­sa­me Ziel – den A‑Fi­nal-Ein­zug in Plow­diw – kon­zen­triert und haben alle als Teil des Teams hart dar­an gear­bei­tet. Zum Glück haben die Mädels auch ihre gute Stim­mung an Land und auf dem Was­ser bei­be­hal­ten, sodass alle die lan­ge Zeit in Grün­au trotz der Aus­fäl­le gut gemeis­tert haben.

WFr: Der Junio­rin­nen-Dop­pel­vie­rer wur­de „quer durch Deutsch­land“ besetzt mit Rude­rin­nen aus Hei­del­berg, Stral­sund und Ber­lin. Neben men­ta­len Pro­ble­men gab es doch sicher­lich auch ver­schie­de­ne Vor­aus­set­zun­gen in der Ruder­tech­nik. Gab es da auch mal Zwei­fel, aus den VIEREN eine inter­na­tio­nal kon­kur­renz­fä­hi­ge Mann­schaft ent­wi­ckeln zu können?

Loui­sa: Im U19-Bereich fin­det zum ers­ten Mal über­haupt ein Inter­na­tio­na­ler Ver­gleich statt, wodurch sich die Kon­kur­renz immer schwer ein­schät­zen lässt, sodass man zunächst qua­si „blind“ anreist.                                                                                                                                          Zu Beginn ist zu sagen, dass die vier Mädels tat­säch­lich eher wie vier in ein Boot gesteck­te Einer-Fah­re­rin­nen wirk­ten. Es war mei­ne Auf­ga­be und auch Her­aus­for­de­rung als Boots­trai­ne­rin, sie als Team zu for­men und zusam­men­zu­brin­gen. Aller­dings hat sich schon im Trai­ning gezeigt, dass sie mit zuneh­men­der Abstim­mung auch in Rela­ti­on zu den ande­ren deut­schen Boo­ten immer schnel­ler wur­den, sodass wir mit einem guten Gefühl nach Plow­diw anrei­sen konn­ten. Trotz­dem konn­ten wir uns auf­grund unse­res schwä­che­ren und dadurch weni­ger aus­sa­ge­kräf­ti­gen Vor­lauf bis zum Final­sonn­tag nicht sicher sein, wie wir unse­re Leis­tung im inter­na­tio­na­len Ver­gleich wirk­lich ein­zu­schät­zen hatten.

WFr: Eine Fra­ge, die ich auch Mar­le­ne gestellt habe: Auf der WM hat Dein Team mit dem Sieg im Vor­lauf Ansprü­che auf einen Medail­len­platz ange­mel­det und dann im A‑Finale nach har­tem Bord-an-Bord-Kampf Bron­ze gewon­nen. Was über­wog – Ent­täu­schung über den ent­gan­ge­nen WM-Titel oder Freu­de über den Gewinn der Bronzemedaille?

Loui­sa: Das gemein­sa­me Ziel des Teams war es zunächst nur uns ins A‑Finale zu rudern, wel­ches wir mit dem Vor­lauf­sieg erreicht hat­ten. Mit dem posi­ti­ven Gefühl, mit dem wir aus dem Vor­lauf ins A‑Finale gehen konn­ten, haben wir uns vor­ge­nom­men eine Medail­le im Final­ren­nen mit nach Hau­se zu neh­men.                                                                                                                       Alle, die das Ren­nen mit­ver­folgt haben, konn­ten sehen, dass wir nicht die Sil­ber-Medail­le ver­lo­ren haben, son­dern die Bron­ze-Medail­le gewon­nen haben. Damit konn­ten wir die WM sehr posi­tiv und mit gro­ßer Freu­de als Team gemein­sam abschlie­ßen und wis­sen, dass wir alle alles gegeben.

WFr: Bei Dei­ner Trai­ner­zwi­schen­sta­ti­on beim RVB 1878 hat­test Du mit den Nach­wuchs­kräf­ten schon natio­na­le Titel erzielt und mit meh­re­ren Junior­in­nen­meis­ter­ti­teln in 2020 und 2021 die­se Erfolgs­se­rie bei Arko­na fort­ge­setzt. Als noch sehr jun­ge Trai­ne­rin hast Du nun mit WM-Bron­ze auch Dei­nen ers­ten inter­na­tio­na­len Titel errun­gen. Wie geht es nun wei­ter? Im Bereich des gesam­ten Deut­schen Ruder­ver­band herrscht ein Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Trai­nern. Sind schon Anfra­gen von ande­ren Ver­ei­nen und Lan­des­ver­bän­den eingegangen?

Loui­sa: Nach den sehr auf­re­gen­den und zeit­in­ten­si­ven Jah­ren als Trai­ne­rin wer­de ich mich nach der Euro­pa­meis­ter­schaft im Okto­ber etwas zurück­zie­hen und in mei­nem Hei­mat­ver­ein die Nach­wuchs­ar­beit unter­stüt­zen und mein Lehr­amts­stu­di­um vor­an­brin­gen. Anfra­gen gab es in die­sem Sin­ne ein paar aber ich weiß, dass ich mich jetzt erst­mal auf mei­ne beruf­li­che Zukunft und Aus­bil­dung küm­mern muss.

WFr: Dein Stu­di­um (Lehr­amt Sport und Wirt­schaft) steht in 2023 vor dem Abschluss. Wirst Du es Dir aus zeit­li­chen Grün­den danach über­haupt noch leis­ten kön­nen, dem Ruder­sport als Trai­ne­rin zur Ver­fü­gung zu stehen.

Loui­sa: Es ist klar, dass mei­ne beruf­li­che Zukunft jetzt erst­mal im Mit­tel­punkt steht, den­noch wer­de ich nie ganz ohne den Trai­ner­job leben kön­nen. Und wer weiß, viel­leicht öff­nen sich ja neue Türen, in denen ich die Trai­ner­tä­tig­keit mit dem Lehr­be­ruf ver­ei­nen kann.

WFr: Das Trai­ner­da­sein auf die­sem Niveau ist kein Pony­hof. Hast Du den Ein­druck, dass Dein immenser Auf­wand (Voll­zeit vier Wochen Trai­nings­la­ger zur Vor­be­rei­tung der WM und eine Woche WM) und Dein Enga­ge­ment auch vom Deut­schen Ruder­ver­band und dem Ver­ein ange­mes­sen hono­riert wer­den? Was ist noch zu verbessern?

Loui­sa: Natür­lich ist es schwie­rig, den Auf­wand und die Ent­schä­di­gung ins Ver­hält­nis zu set­zen. Ich bin den vier Wochen mei­ner Lei­den­schaft nach­ge­gan­gen und bin der Mei­nung, dass vor­ab eine bes­se­re Abstim­mung der finan­zi­el­len Absi­che­rung geklärt wer­den sollte.

Im Okto­ber steht die Euro­pa­meis­ter­schaft der Junio­rin­nen und Junio­ren in Mün­chen an und Loui­sa wird erneut im Auf­trag des DRV den deut­schen Dop­pel­vie­rer mit unse­ren A‑Juniorinnen Lau­ra Czerr und Ayse Gün­düz vor­be­rei­ten, der bei den natio­na­len Meis­ter­schaf­ten den Bron­zerang erziel­te. Wir wün­schen Loui­sa , Ayse und Lau­ra viel Erfolg auf der Mün­che­ner Regat­tastre­cke.

 Die Inter­views wur­den geführt von Wer­ner Fromm

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