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Winterwanderung 2022, wie meist ohne Winter

von Thomas Osteroth

31. März 2022

Zwei lan­ge Jah­re ist es her, dass sich die übli­chen Ver­däch­ti­gen zur Win­ter­wan­de­rung zum Fort Hah­ne­berg und gleich­na­mi­gem Hügel tra­fen und noch nicht wis­sen konn­ten, dass ihnen eine unbe­kann­te Seu­che vie­ler­lei Spaß und die Wan­de­rung 2021 ver­der­ben wür­de. Jetzt, im Jahr 2022 ist es aber das stür­mi­sche Dau­er­re­gen­wet­ter, das uns nötigt, den Ter­min von Ende Janu­ar auf den 13. Febru­ar zu ver­schie­ben. Über Schnee müs­sen wir nicht reden, aber kalt ist es und strah­len­den Son­nen­schein gibt es als Zuga­be. Wir legen am U‑Bahnhof Ruh­le­ben los, wo Bernd Sto­eckel, wie immer Orga­ni­sa­tor „vons Jan­ze“, ein paar Sät­ze zur Gegend sagt:

Irgend­wo drü­ben gab es mal zwi­schen 1891 und 1914 den Aus­wan­derer­bahn­hof Ruh­le­ben, wo vie­le Ost­eu­ro­pä­er auf ihre Wei­ter­rei­se vor allem in die USA war­te­ten. Erst 2012 wur­de eine War­te­ba­ra­cke nach Auf­he­bung des Denk­mal­schut­zes abge­ris­sen. Wer die Ver­gan­gen­heit nicht ehrt, muss sie viel­leicht noch­mal erle­ben! Außer­dem lie­fen direkt neben dem Bahn­hof ab 1909 auf einer Trab­renn­bahn eine Zeit­lang Pfer­de im Kreis.Vielleicht noch Char­lot­ten­burg, aber wahr­schein­lich schon Spandau.

Wir gehen dann Rich­tung Süden durch eine Ein­fa­mi­len­haus­sied­lung. Von Vil­len zu spre­chen wäre über­trie­ben. Vor uns liegt eine Düne, natür­lich eis­zeit­li­chen Ursprungs. In Ber­lin ist im Zwei­fel immer alles „Eis­zeit“. Hoch oben liegt der Olym­pia­park, an den wir aber jetzt noch nicht ran kommen.

Wir mar­schie­ren durchs Ruh­le­be­ner Fließ, roman­ti­sches Natur­schutz­ge­biet, zum Glück gibt‚s noch kei­ne Mücken.

Am Hin­ter­ein­gang der Wald­büh­ne im Murel­len­tal geht es nicht wei­ter, wir müs­sen nach oben aus­wei­chen und lau­fen in Ser­pen­ti­nen hin­auf. Wenn wir gewusst hät­ten, dass es fast alpin wird, hät­te man zumin­dest sei­ne Kra­xel­stö­cke mit­neh­men kön­nen. Oben, an der Gren­ze zur Poli­zei­aka­de­mie, gibt es auf dem Murel­len­berg das Mahn­mal der ehe­ma­li­gen Wehr­macht­er­schie­ßungs­stät­te, wo gegen Ende der Nazi­herr­schaft vie­le Kriegs­dienst­ver­wei­ge­rer hin­ge­rich­tet wur­den. Für jeden Toten wur­de ein Spie­gel in den Wald gestellt. Beeindruckend.

 

Wir las­sen die schwe­ren Gedan­ken zurück, umkrei­sen das Tal und gehen an der Eis­sport­hal­le und dem Wald­büh­nen­ein­gang vor­bei ein paar hun­dert Meter ins Olym­pia­ge­län­de hin­ein. Nach dem Krieg  der Bri­ti­schen Armee gehö­rend und (bis auf das Olym­pia­sta­di­on) für Ber­li­ner weit­ge­hend unzu­gäng­lich, wird das Gelän­de jetzt vom Brei­ten- und Spit­zen­sport genutzt, falls man die Fuß­bal­ler von Her­tha zum Spit­zen­sport zäh­len möchte.

Wir machen kehrt und nach­dem aus eini­gen Ruck­sä­cken klei­ne Geträn­ke­fla­schen mit nicht jugend­frei­em Inhalt her­vor­ge­zau­bert und zur Stär­kung gebraucht wer­den, trennt sich die Grup­pe. Eini­ge hung­ri­ge Wan­ders­leut gehen direkt zur Heer­stra­ße (um mit dem Bus zu fah­ren?), der grö­ße­re Teil läuft über S‑Bhf- Pichels­berg und Scholz­platz am Jüdi­schen Fried­hof vor­bei zum Rupen­horn, um dann über die Stö­ßen­see­brü­cke und Frey­brü­cke die Schar­fe Lan­ke zu umrun­den und zum Boots­haus der Ruder Uni­on Arko­na zu gelan­gen. 10,7 km rei­chen für‚s ers­te. Beim anschlie­ßen­den Bei­sam­men­sein kann man sich bei Geträn­ken und Spei­sen laben, wenn auch das ver­spro­che­ne Chi­li con Car­ne nicht für alle reicht. Hun­ger­to­te sind trotz­dem nicht bekannt. Für alle Mit­rei­sen­den und Inter­es­sier­ten zeigt Bernd Sto­eckel danach noch die Fil­me zwei­er Kul­tur­fahr­ten der RU Arkona.

Trotz des nicht per­sön­lich anwe­sen­den Win­ters eine schö­ne, lehr­rei­che Winterwanderung.

Klaus Becker

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